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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
Kontext eigentlich nicht interessiert. Wenn beispielsweise die Einrichtungdes Heimatmuseums Schwarzenberg gezeigt wird( S. 72- 77), so fallenkeine Unterschiede zu anderen Bildern von offenbar noch bewohnten Häu-sern auf. Die Photographien der Stuben wirken in einer Art konstruiert, alshabe man für die Aufnahme beispielsweise an den Platz des Fernsehappara-tes ein Spinnrad gestellt. Einer solchen Herangehensweise entsprechend istder Band durchsetzt von einer salbungsvoll- ideologisierenden Überhöhungdes Bauernstandes, wie sie nur von abseits des landwirtschaftlichen Alltags-lebens Stehenden betrieben werden kann. Aber auch das ist ein häufigbeobachtbares Merkmal der fast immer idyllisierenden Gattung der Photo-bildbände. Durch die stereotypen euphorisch- pathetischen Bild- und Orts-beschreibungen ergibt sich der Eindruck eines Reisebüro- Kataloges, deranstelle von Urlaubsunterkünften mit stets gleichen Worten Bauernhöfeanpreist. Im Gegensatz zum wirklichen Katalog ist man hier allerdingsbisweilen mit fehlerhaften geographischen Bezeichnungen konfrontiert.
Die beschriebenen Mängel sind Marginalien angesichts der wohl primä-ren Intention des Buches, ansprechende Photographien anzubieten. Ichnehme an, daß sie dem volkskundlichen Laien, der der Autor ist, nicht einProblem als solches sind; und den Lesern ob deren Erwartungshaltungzumeist wohl auch nicht. Für die Volkskunde aber ist der fraglos schöneBand, obwohl er eines ihrer Teilgebiete behandelt, von geringer Bedeutung,zumal kaum aktuelle Fachfragen berührt werden. Diesbezügliches Gewichtwird ihm höchstens durch die Begleitworte eines renommierten Volkskund-lers, nämlich Karl Ilgs, zuteil. Auf ihn deutet auch der Umstand hin, daßein eigentlich ziemlich zusammenhanglos erscheinendes- Kapitel überdie Einwanderung der Walser( S. 27- 30) Aufnahme gefunden hat.Christian Stadelmann
Werner SCHIFFAUER( Hg.), Familie und Alltagskultur. Facetten urba-nen Lebens in der Türkei. Frankfurt am Main 1993.( Kulturanthropologie-Notizen, Band 41) 345 Seiten.
Dieser Band widmet sich der kaum erforschten Kultur der Mittel- undOberschichten türkischer Großstädte, am Beispiel von Eskişehir, wobei einbesonderes Augenmerk auf dem Bereich der Familie liegt, wie schon derTitel verrät.
Die Frage, der in den verschiedenen Beiträgen nachgegangen wird, ist dienach dem Zusammenhang von Soziallage und Alltagskultur: Wie prägt diePosition im sozialen Raum Weltbild und Wertstruktur und wie drückt sichdies wieder im familialen Leben aus, im Rollenverhalten, im Lebensstil und