1993, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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unterscheiden, sondern durch die unterschiedliche psychophysische Orien-tierung in einzelnen Alters- und Bildungskategorien“( S. 545f.). Konsequentvergessen? Mitnichten, der Wert der Untersuchung liegt vielmehr darin, daßhier mit der Theorie der feinen Unterschiede im Hinterkopf die gewandeltenFormen ästhetischen Erlebens beschrieben und an deutschen Verhältnissender Gegenwart konsequent durchgespielt worden sind.
Bernhard Tschofen
Alfred POHLER, Vorarlberger Bauernhöfe. Thaur bei Innsbruck, Wort& Welt 1993, 170 Seiten, Abb.
Zur Charakteristik von Bildbänden gehört es, bei der photographischenDokumentation eines bestimmten Themenbereiches nicht nur auf die Qua-lität der Bilder, sondern auch auf die Ästhetik der Motive bedacht zunehmen. Insofern sind sie gewöhnlich nicht repräsentativ für den jeweilsbehandelten Bereich, zumal einer stillschweigenden Übereinkunft von Ge-staltern und Betrachtern zufolge die Vorstellungen von dieser Ästhetik sehrgenau und ziemlich eng eingegrenzt sind.
Das hier zu besprechende Buch bildet keine Ausnahme von der Regel,und wenn auch der Titel an und für sich eine relativ breit angelegte haus-kundliche Palette verspricht, ist man ob einer derartigen Übereinkunft kaumversucht, anzunehmen, daß man es tatsächlich mit einem Querschnitt durchdie Erscheinungsformen landwirtschaftlicher Architektur Vorarlbergs zu tunhat. Tatsächlich beschränkt sich dieses Druckwerk, das sich als Pendant zueiner zweibändigen Publikation aus dem Land Tirol vom selben Gestalterversteht, auch zeitlich auf einen bestimmten Rahmen. Das heißt, dem Grund-satz folgend, daß nicht nur gut, sondern auch schön ist, was bewährt ist, sindausnahmslos möglichst alte, gut erhaltene und kaum veränderte Häuseraufgenommen worden. Beispiele für bäuerliche Bauten der Nachkriegszeit-wahrscheinlich sogar des ganzen 20. Jahrhunderts fehlen konsequenter-weise völlig. Der Band folgt, durch einen entsprechenden Textteil unter-stützt, dem für eine Bestandsaufnahme früherer Zeiten durchaus probatenSchema, das Land in Hauslandschaften einzuteilen, wobei diese in etwaeinigen Tälern des Landes entsprechen. So kommt immerhin einauch nicht ins Detail gehender- Überblick über schöne Repräsentanten alterbäuerlicher Bauformen in Vorarlberg zustande.
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wenn
Abgebildet sind sowohl einzelne Höfe und homogene Ensembles als auchInneneinrichtungen. Und besonders bei letzteren zeigt sich, daß kein beson-derer Wert auf die Darstellung von Alltagszusammenhängen gelegt wordenist, die Funktion also trotz deren gelegentlicher Andeutung in historischem