1993, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Hans Ulrich SCHLUMPF( Hg.), Silvia CONZETT( Bearb.): Filmkatalogder Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. Basel, Verlag der Schwei-zerischen Gesellschaft für Volkskunde, 1993, 252 Seiten, Abb.
Die Gründung der Abteilung Film der Schweizerischen Gesellschaft fürVolkskunde im Jahre 1942 war zweifellos ein Meilenstein in der Geschichtedes wissenschaftlichen Filmschaffens auf dem Gebiet der EuropäischenEthnologie. Das dokumentiert eindrucksvoll der von ihrem derzeitigenLeiter Hans Ulrich Schlumpf herausgegebene und von Silvia Conzett bear-beitete Katalog, in dem sämtliche Eigenproduktionen sowie die Ankäufe fürdas Archiv der SGV zusammengefaßt sind. Vorrangig zur Informationpotentieller Entlehner, zur Orientierung über Inhalt und Qualität der verfüg-baren Filme gedacht, bietet er in seinem chronologischen Aufbau zugleicheinen Einblick in die Entwicklung der schweizerischen Filmproduktion. Ininsgesamt neun Abteilungen( die zehnte ist den angekauften Filmdokumen-ten vorbehalten) werden die jeweils zeitlich und damit z.T. auch thematischzusammengehörigen Produktionen von den Anfängen der Institution biszum Ende der achtziger Jahre vorgestellt. In einführenden ,, Leitseiten" wirdauf die jeweiligen Themen- und Interessenschwerpunkte und die jeweilsdominierenden kinematographischen Umstände und Voraussetzungen hin-gewiesen. Hierauf wird jeder Film übersichtlicherweise auf zwei Seitenvorgestellt: einem Kopfteil mit Angaben über Autoren, Mitarbeiter undProduktionstechnik folgt, nach einer prägnanten inhaltlichen Zusammenfas-sung, die detaillierte Schilderung von Filmszenen und-sequenzen, derabschließend eine kurze Würdigung des behandelten Filmes beigefügt ist.
Die in diesen( selbst) kritischen Resümees herangezogenen Kategorien,, filmische Dokumentation“,„ Film“,„ gestalteter Film"- transportierenzugleich in nuce die historische Bandbreite volkskundlicher Filmarbeit inder Schweiz und damit eine Entwicklung, die sich- wenn auch freilichlängst nicht auf allen Etappen und z.T. nur in theoretischer Forderung- auchin Deutschland und Österreich zeigt( zur Theorie- und Methodendiskussions. E. Ballhaus, Der volkskundliche Film. In: Hess. Blätter für Volks- undKulturforschung 21/1987). Die filmische Dokumentation ist schweizeri-scherseits in den vierziger und fünfziger Jahren durch die thematischeKonzentration auf den bergbäuerlichen Arbeitsbereich charakterisiert, wieer etwa in der Filmfolge zur ,, Waldarbeit im Prättigau“ nachgezeichnet wird.Formal reflektiert sie in der für sie typischen ,, Aneinanderreihung voneinzelnen Einstellungen, welche Vorgänge, Menschen und Objekte linear,ohne erkennbares Gesamtkonzept und ohne Verwendung spezifisch filmi-scher Mittel darstellt“( S. 10), jene nüchterne Definition des wissenschaft-lichen Films als eines„ Dauerpräparats von Bewegungsvorgängen“, dasexakt bestimmte Wirklichkeitsausschnitte unter dem Objektivitätskriterium