Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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Brigitte BÖNISCH- BREDNICH, Rolf W. BREDNICH, Helge GERNDT( Hg.), Erinnern und Vergessen. Vorträge des 27. Deutschen Volkskundekon-gresses Göttingen 1989(= Schriftenreihe der Volkskundlichen Kommissionfür Niedersachsen, Band 6= Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 5).Göttingen, Volker Schmerse, 1991, 633 Seiten.

Die 15 Plenar- und etwa drei Dutzend Sektionsvorträge, die 1989 imRahmen des 27. Deutschen Volkskundekongresses in Göttingen gehaltenwurden, liegen seit geraumer Zeit beinahe vollständig auch gedruckt vor. 47Beiträge von 51 AutorInnen ermöglichen somit einen Nachvollzug derTagung und ein Nachlesen der Referate, die zur Gänze zu hören auch denTeilnehmenden nicht möglich war, da Großveranstaltungen ohne parallelangesetzte Arbeitsgruppen im vorgegebenen zeitlichen Rahmen nicht mehrzu organisieren sind. Eine umfassende Besprechung des Bandes, der hieranzukündigen ist, erscheint dem Rezensenten weder möglich noch sinnvoll,auch weil Inhaltlich- Kritisches zum Kongreß bereits im Bericht von EvaKausel enthalten ist( ÖZV XLIII/ 92 1989, S. 318- 322).

Der von den Herausgebern sorgsam redigierte und durch zwei Register( Namen, Sachen) erschlossene, nicht nur wissenschaftlich gewichtige Band( der darob dazu neigt, sich in Einzelteile und-blätter aufzulösen) ist- inAnlehnung an die Sektionen- in acht Teile gegliedert, in denen von unter-schiedlichen Gesichts- und Standpunkten aus den Prozessen des Erinnernsund Vergessens( ,, Grundbedingungen menschlichen Lebens, in ihnen voll-zieht sich so könnte man sagen- der Atem des kulturellen Daseins, soHelge Gerndt in der Einleitung) nachgegangen wird. Was also Erinnern undVergessen im Alltagsleben ,, leisten" und wohin die Frage nach diesenProzessen führt( nochmals H. Gerndt), ist nachzulesen in: 1. GenerelleFragestellungen, 2. Private Erinnerung/ Lebensgeschichtsforschung, 3.Verdrängte Erinnerung- Schwierige Zeiten, 4. Emigration und Umsied-lung, 5. Erinnerung und Konsum Umgang mit Geschichte heute, 6. Be-rufswelt und Schichtenspezifik, 7. Erzähl- und Liedforschung sowie 8.Museum und Sachkulturforschung.

Utz Jeggles Gesamteindruck( ,, ein großer Reichtum, nicht unbedingt anTheorien und systematischen Überlegungen, aber an Themen, Bearbeitungs-und Darstellungsformen, an Zugängen, auch an Abwegen, Umwegen, ja Irrwe-gen, aber eben Wegen, die auf der Suche und nicht am Ende sind"- Zeitschriftfür Volkskunde 86, 1990) findet bei der Lektüre seine Bestätigung und läßt andieser Stelle vorweg nach der Gangart durch das offensichtliche Labyrinth vonErinnern und Vergessen fragen, die in den zwei, österreichischen Beiträgeneingeschlagen wurde. Man wird sie in beiden Fällen als kritisch- retrospektivbezeichnen dürfen, wobei es jeweils, die Parallelität verblüfft, um ein histori-sches ,, Jubiläum"- also um kollektives Erinnern- geht.