Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

karten. Genese, Chronologie und Typologie( nach Verwendung bei verschie-denen Gruppen oder zu unterschiedlichen Zwecken, etwa bei der Maifeier)sind speziell herausgearbeitet. Anschließend finden ,, Hersteller, Verlegerund Vertreiber von Bildpostkarten und Parteidevotionalien Behandlung, sodaß insgesamt ein Bild der ,, visuellen Artikulation" der frühen sozialdemo-kratischen Bewegung in Österreich entsteht: somit können Abhängigkeitenvon bürgerlichen Vorgaben, Parallelentwicklungen, Ansätze einer eigenenproletarischen Bildkultur verfolgt und Analysen der Bildsprache vorgenom-men werden; ein Nachvollzug der vom Proletariat erlebten ,, Sozialisationder Sinne" ist möglich. Drei Phasen der Symbolformierung werden heraus-gestellt: eine frühe mit beschränkter Nutzung des Arbeiterwappens( Ham-mer) bzw. der verschränkten Hände als Zeichen für Arbeit und Solidarität;eine stärkere Inanspruchnahme von Allegorien und Personifikationen( mitz.T. bürgerlichen Vorbildern) zur Zeit der Konsolidierung in der 1890erJahren; schließlich eine Spätphase mit konkreter und zugleich abstrakterSymbolisierung( so die Konzentration auf die rote Farbe).

Das Buch, für dessen vorbildliche graphische Gestaltung ebenfalls derAutor( nicht nur promovierter Kulturhistoriker, sondern auch Graphiker undKunsterzieher) verantwortlich zeichnet, ist als ein wertvoller Beitrag zurErforschung der Arbeiterkultur in Österreich anzusehen, zeigt aber auch, daßSymbolforschung abseits des, völkischen Mißbrauchs durchaus wiedermit Gewinn betrieben werden kann.

Olaf Bockhorn

Volker HÄNSEL und Diether KRAMER( Hg.), Die Zwerge kommen!(= Schriftenreihe des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels am Steier-märkischen Landesmuseum Joanneum, Band 4). Trautenfels 1993, 240Seiten, zahlreiche Farb- und S/ W- Abb.

Der Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung auf Schloß Trautenfelsversammelt 21 Beiträge unterschiedlichster Disziplinen und Darstellungs-absichten. Die fast durchwegs materialreichen Essays, u.a. aus soziologi-scher und kunsthistorischer, ethnologischer und archäologischer, literatur-wissenschaftlicher und, nicht zu vergessen ,,, nanologischer" Perspektivebestätigen einen der Aufsatztitel: Zwerge überall".

Zwerge, so der vorangestellte medizinische Beitrag( Harald Salfellner),sind Menschen, die kleiner als 130 cm sind. Auch ihre Körperproportionenkönnen in unterschiedlicher Weise von der Norm abweichen, so unterschei-det die Medizinersprache- man traut seinen Augen kaum z.B. beim,, chondrodystrophen Zwerg" zwischen Mopstyp und Dackeltyp"( S. 15). Zwerge sind Menschen, die sich die anderen Menschen gerne als

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