Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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reichische Volkskunde" bis hin zu rezenten Gründungen unterschiedlichsterNatur. Gelohnt hätte es sich allerdings, bestimmte Vereinskonstituierungen,die merkbare Konkurrenz stiften sollten( wie etwa der ÖsterreichischeFachverband für Volkskunde), präziser zu untersuchen.

Der hier besprochene Band ist- leider- bereits selbst zu einem Teil vonFachgeschichte geworden. Denn das noch verzeichnete ,, Institut für Gegen-wartsvolkskunde wurde 1992 von der Österreichischen Akademie derWissenschaften aufgelöst. Der von Klaus Beitl in der Einleitung angestimm-te ,, Mollakkord hat daher tatsächlich Berechtigung. Die Fachvertreterwerden allerdings zwangsläufig nicht nur nach Fremdverschulden, sondernauch, was niemand gerne tut, nach internen Ursachen zu suchen haben.Reinhard Johler

Josef SEITER ,,, Blutigrot und silbrig hell.... Bild, Symbolik und Agi-tation der frühen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Österreich(= Kulturstudien. Bibliothek der Kulturgeschichte, hg. v. H. Ch. Ehalt undHelmut Konrad, Sonderband 7). Wien- Köln, Böhlau Verlag, 1991, 231Seiten, 169 Abb. im Text, 41 Farbabb. auf 8 Tafeln.

Der reich bebilderte und mit einem umfangreichen Anmerkungsteil aus-gestattete Band beruht auf der Analyse von Quellenmaterial, das der Autorin in- und ausländischen Archiven, in öffentlichen wie privaten Sammlun-gen, in Dokumentationsstätten etc. aufspüren und anschließend katalogisie-ren, kategorisieren und wissenschaftlich ,, aufbereiten" mußte. Im Gegensatzzu anderen Phänomenen der frühen Arbeiter( bewegungs) kultur war dervisuell- ästhetische Bereich( ,, ein unabdingbares Konstituens der gruppen-internen, aber auch der öffentlichen Formierung) bislang nur marginalbeschrieben und insbesondere der Verwendungs-, Wirkungs- und Aus-druckszusammenhang bildhafter, politisch- symbolischer Objekte der Arbei-terbewegung( als Objekte solidarischen Ausdrucks) nicht entsprechend un-tersucht worden. Dies geschieht im ersten Hauptteil, der sich mit der Bild-sprache der frühen Sozialdemokratie beschäftigt und( nach Überlegungenzum ambivalenten Symbolbegriff) die wichtigsten Symbole, Embleme, Per-sonifikationen und Allegorien der Arbeiterbewegung erörtert schließlichstehen deren Gebrauch und Verständnis im Mittelpunkt dieser Untersu-chung. Entstehungs- und Verwendungszusammenhänge werden aufgezeigt,Verknüpfungen mit früheren Epochen dargelegt. Zu den behandelten Moti-ven zählen u.a. die verschlungenen Hände, Hammer, Freiheit, Licht-, Tier-und Natursymbolik( hierher gehört die ,, Rote Nelke).

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In der Folge werden drei gegenständliche Objektbereiche systematischund umfassend präsentiert: Abzeichen, Medaillen und Plaketten, Bildpost-