Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
535
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVII/ 96, Wien 1993, 535- 560

Literatur der Volkskunde

Klaus BEITL( Hg.), Volkskunde- Institutionen in Österreich(= Veröffent-lichungen des österreichischen Museums für Volkskunde, Bd. XXVI; zu-gleich Bio- Bibliographisches Lexikon der Volkskunde, F. 5). Wien 1992,144 Seiten.

Das hier anzuzeigende Buch ist internationaler, vom Wiener Museum fürVolkskunde angeregter Kooperation zu verdanken. Genauer: Es rührt vomwissenschaftlichen Austausch zwischen österreichischen und slowakischenVolkskundlern und damit von der Notwendigkeit der Selbstdarstellung undPräsentation eines Faches. Tatsächlich ist es ein ausgesprochen nützlichesNachschlagewerk nicht nur für ausländische Fachkollegen, sondern auch fürheimische Volkskundler und Studierende geworden, das einen schnellenZugriff und Überblick auf volkskundlich- wissenschaftliche Institutionen( im Institutionenverzeichnis) bzw. deren Geschichte( im Texteil) ermög-licht. Dies ist nicht gerade wenig. Zu hoch ist allerdings der Anspruch, dervon Klaus Beitl im Vorwort formuliert wird. Er will es als, Referenzwerk"in der derzeitigen wissenschafts- und kulturpolitischen Debatte sehen, in derVolkskunde ihren Platz zu behaupten und ihre ,, Fachidentität zu belegenhabe. Für den interessierten Laien mag dieser Anspruch bei Durchsicht desBandes durchaus Bestätigung finden. Die Volkskunde hat eine relativ langeund ausgesprochen interessante Geschichte, und sie hat weiters eine Viel-zahl von nicht gerade immer mit Aktivitäten ausgezeichneten- Vereini-gungen. Als wissenschaftlicher Volkskundler mag man diese Ansicht teilen,man ist gewohnt, Legitimität durch den Verweis auf Vergangenes herzustel-len. Allerdings: Gegenwartsberechtigung läßt sich daraus in Wirklichkeitnicht ableiten, Inhalt und Qualität eines Faches müssen aus rezenten For-schungsergebnissen erschlossen werden. Entscheidend bleibt daher, ob einefachintern halbwegs geteilte Definition des Forschungsgegenstandes formu-liert, ob eine Akzeptanz von Seiten der Nachbardisziplinen vorhanden istund ob eine wissenschaftlich motivierte Nachfrage durch eine interessierteÖffentlichkeit besteht. Damit einher geht notwendigerweise eine einiger-maßen bestehende Übereinstimmung von Fremd- und Selbstbild. Geradeletzteres wird von Herbert Nikitsch in dem grundsätzlichsten Beitrag diesesBandes problematisiert und an der Polarität ,, wissenschaftlicher und, an-gewandter" Volkskunde aufgezeigt.

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Wie gesagt, solchen Erwartungen kann der Band schon aufgrund seinerAufgabenstellung nicht gerecht werden. Dies schmälert keineswegs seinen