Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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Chronik der Volkskunde

Günther Kapfhammer( 1937- 1993)

ÖZV XLVII/ 96

Am 16. August 1993 starb Prof. Dr. Günther Kapfhammer, hauptamtli-cher Vertreter des Faches Volkskunde der Philosophischen Fakultät II derUniversität Augsburg. Er verunglückte tödlich im Südwesten Frankreichsbei seinen Recherchen zu einem geplanten Filmprojekt über die Pilgerwegenach Santiago de Compostela.

Günther Kapfhammer wurde am 27. Januar 1937 in München geboren.Ab 1957 studierte er Volkskunde, Kunstgeschichte und Bayerische Landes-geschichte an den Universitäten München und Würzburg. 1965 promovierteer mit einer volkskundlichen Ortsmonographie über die niederbayerischeGemeinde St. Englmar. Noch im selben Jahr trat er als wissenschaftlicherMitarbeiter in die Bayerische Akademie der Wissenschaften( Institut fürVolkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte) ein, an derer bis 1975 tätig war. Schon seit den frühen 60er Jahren war GüntherKapfhammer freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks; ab 1971 über-nahm er Lehraufträge für Landes- und Volkskunde an der Universität Mün-chen. 1975 wechselte er an die Universität Augsburg, wo er sich fünf Jahrespäter mit einer Studie zur Mobilität der landwirtschaftlichen Wanderarbei-ter in Bayern habilitierte. 1989 erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßi-gen Professor.

Es darf wohl als oberstes Anliegen Günther Kapfhammers betrachtetwerden, in Forschung und Lehre eine auf interdisziplinären Ansätzen beru-hende Volkskunde zu vertreten, die sich stets ihres möglichen ideologischenMißbrauchs bewußt zu sein hatte, deren Auftrag es sein mußte, den traditio-nalistisch unkritischen Tendenzen einer Volks- und Heimattümelei entgegenzu wirken. In diesem Verständnis widmete sich Günther Kapfhammer inbesonderem Maße der Wissenschaftsgeschichte dieses Faches; vor diesemHintergrund ist auch das zuletzt begonnene Forschungsvorhaben ,, Ursachenvon Fremdenhaẞ zu sehen.

Sein Wissenschaftsverständnis war bei der gebotenen Verpflichtung zuempirisch faẞbarer Objektivität immer geleitet von einer humanitär libera-len, zu Toleranz aufrufenden Geisteshaltung. Mit der daraus erwachsenenKonsequenz widmete sich Günther Kapfhammer der Friedensforschung, derunsere Gegenwart besonders bedrängenden Problematik nationaler und kul-tureller Identität, den Auswüchsen des Rechtsextremismus und in derhistorischen Kontextualisierung dieses Phänomens- der Geschichte nationali-stischer Strömungen. Während der letzten Jahre galt sein besonderes Interesseden Zeugnissen jüdischer Kultur und jüdischer Mobilität. Günther Kapfhammerverlieh damit der volkskundlichen Forschung innovative Impulse.

Wenn er sich den in konventioneller Sicht, klassischen Bereichen derVolkskunde zuwandte, geschah dies unter einer methodisch klar strukturier-