1993, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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Karl Horak †( 1908- 1992)
Wenige Tage nach seinem 84. Geburtstag ist am 23. März 1992 inSchwaz/ Tirol Prof. Karl Horak verstorben. Primär auf dem Gebiet vonVolkslied, Volksmusik, Volkstanz und Volksschauspiel tätig, darf er zu denVertretern der volkskundlichen Wissenschaft in Österreich gezählt werden,obwohl es ihm, wie auch anderen seiner Generation, nicht vergönnt war, dieakademische Laufbahn in diesem Fach einzuschlagen.
Karl Horak wurde am 7. März 1908 in Wien geboren, wo er die Volks-schule und die Bundesrealschule besuchte und dann an der philosophischenFakultät der Wiener Universität Geographie und Naturgeschichte studierteund das Lehramt für Mittelschulen erwarb, in welchem Beruf er in Tirol( Schwaz, Lienz und Innsbruck) bis zu seiner Pensionierung tätig war. Seinevolkskundliche Ausbildung erwarb er sich während seines Studiums zu-nächst in Vorlesungen bei Arthur Haberlandt,„, lebenslänglich“ jedoch imKontakt mit anderen Forscherpersönlichkeiten seiner Zeit, unter denenLeopold Schmidt, Alfred Karasek und Richard Wolfram wohl die wichtig-sten waren. Die größte Anregung seiner Jugendzeit ging von RaimundZoder, dem Nestor der österreichischen Volkstanzforschung aus, in dessenTanzkreis er die Liebe zu seinem Spezialgebiet entdeckte und überdies seinespätere Frau Grete kennenlernte, die ihn ein Leben lang mit Mut, Engage-ment und fachlicher Kompetenz begleiten sollte. Beide standen der Jugend-bewegung nahe und haben sich die wichtigsten volkskundlichen Erfahrun-gen buchstäblich ,, erwandert“. Nach den ersten Aufzeichnungen im Umlandvon Wien( ab 1929) und im Burgenland folgten Forschungsfahrten in dieSprachinseln Gottschee( 1929), Kremnitz, Deutsch- Proben und Deutsch-Pilsen( 1930), Schwäbische Türkei( 1931, 1933, 1934, 1936), Batschka( 1931, 1933, 1934), Ofener Bergland( 1933), Mittelpolen( 1934, 1935),Bielitzer Sprachinsel( 1936), Slawonien( 1937), Banat( 1938), Siebenbür-gen( 1938), oft im Team mit Forschern wie Alfred Karasek, Walter Kuhn,Richard Wolfram und der Malerin Erna Piffl; darüber hinaus wurden For-schungen in weiteren österreichischen Bundesländern( Oberösterreich, Stei-ermark, Tirol, Vorarlberg) und in Deutschland durchgeführt( Oberbayern,Oberpfalz, Fränk.- schwäb. Jura, Hohenlohe). Von 1940- 1942 arbeiteteKarl Horak im Auftrag des Staatlichen Instituts für Musikforschung Berlinmit an der Aufsammlung des Volksliedgutes in Südtirol.
Würdigt man das Lebenswerk von Karl Horak, das mehr als 30 selbstän-dige Werke und über 300 Aufsätze umfaßt, so muß er zunächst wohl alskenntnisreicher und ungemein fleißiger Feldforscher apostrophiert werden.Er arbeitete weitgehend ohne technische Aufzeichnungshilfen, was in derFrühzeit seiner Forschungsfahrten in den Osten, die auch in Hinblick aufTransport- und Übernachtungsmöglichkeiten abenteuerlich waren, nicht