1993, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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Gösta Berg †( 1903- 1993)
Am 12. März dieses Jahres verstarb in Stockholm Professor Gösta Berg,wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag am 31. Juli 1993. Wir habendavon erst spät erfahren; dennoch bewegt uns dieser Verlust schmerzlich imGedenken an diesen großen Museumsmann und Kulturforscher Skandina-viens.
Gösta Berg ward als Kind einer Lehrerfamilie in Örebro in Schwedengeboren und entdeckte schon als Schüler und Student eine besondere Vor-liebe zur Altertumskunde und zum Sammeln heimischer Kulturgüter. Nachseinem Studium vor allem bei Carl Wilhelm von Sydow in Lund trat er inden Dienst des Nordischen Museums in Stockholm und wurde MitarbeiterSigurd Erixons bei dessen umfassenden Feldforschungen namentlich inDalarna, der Heimat seiner Eltern, wo er selbst früh und unmittelbar dasLand- und Bauernleben kennengelernt hatte. Schon 1934 konnte er sich indiesem Bereich gemeinsam mit seinem Jugend- und Studienfreund SigfridSvensson mit seinem Handbuch ,, Svensk bondekultur“ als ein Klassiker derVolkskunde seiner Heimat ausweisen. Er war inzwischen in den Mu-seumsdienst getreten, wo ihn Erixon auf die Bearbeitung der Bestände anSchlitten und Fahrzeugen von Skansen ansetzte, denen er nach einer ersten,, Wegleitung“ für das Museum 1935 seine umfassende Abhandlung über,, Sledges and wheeled vehicles" als Dissertation widmete. Schon hier erwiessich der Museologe Gösta Berg als bedeutender Sachforscher, dessen um-fassende Kenntnis und Belesenheit sich bei ihm namentlich auf den Gebietenvon Verkehr und Transport ebenso wie in der Erforschung von Jagd undFischerei, Landbau, Schi und Schneeschuh, Handwerk und Industrie, Haus-bau oder Gerät und nicht zuletzt von Kost und Nahrungswesen bewährten.Ein umfassender Freundeskreis und seine spätere Stellung als ,, styresman"des großen Nordischen Museums zusammen mit dem FreilichtmuseumSkansen bestimmten ihn aber auch zu weitreichenden enzyklopädischenArbeiten und zur biographischen Forschung.
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Gösta Berg wird jedem unvergeßlich bleiben, der je mit ihm in seinernoblen Vornehmheit und seiner menschlichen Güte in Kontakt gekommenist. Treffend kennzeichnet ihn vor allem als Menschen seine spätere Nach-folgerin als Direktor des Museums Skansen, Frau Eva Nordenson, wenn sieüber ihn schreibt: ,, Seine wissenschaftliche Vielseitigkeit und Breite, seinegroße Menschenkenntnis, sein unbestechliches Qualitätsgefühl und eineschier unbegrenzte Generosität, wenn es galt, anderen seine Erkenntnisseund Forschungsergebnisse mitzuteilen, seine große Gastfreiheit und dieFähigkeit, sich selbst und andere auch des Lebens sonnige Seiten genießenzu lassen- so wurde Gösta Berg von allen denen charakterisiert, die mit ihmauf Skansen zusammen gearbeitet haben." Wie ernst es Gösta Berg um alle