Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVII/ 96, Wien 1993, 497- 501
Mitteilungen
Alte Sammlungen- Neue Konzepte¹Schausammlung zur historischen Volkskultur imÖsterreichischen Museum für Volkskunde
Von Bernhard Tschofen
Ein Museum für Volkskunde ist ein kulturwissenschaftliches Museum,und es ist Crux und Chance zugleich, daß man es in einem um die Kulturbemühten Museum mit keinen festen Größen zu tun hat. Hier gibt es wederdie Monumenta noch die überzeitlichen Artefakte, die durch ein diskursivesMißverständnis in manchen Kunst- und historischen Museen zu statuari-schen Präsentationen geführt haben. Hier gibt es hingegen Bestände, die derwechselnden Bewertung unterliegen, und ihr auch unterzogen werden müs-sen, wenn sie ihre Verständlichkeit nicht preisgeben sollen.
Die Crux der wechselnden Bedeutung liegt in unserem Fall in der Sper-rigkeit der Sammlung begründet, einer Sammlung die unter ganz anderenPrämissen zusammengetragen worden ist, als sie wohl heute gelten würden.Das Österreichische Museum für Volkskunde ist nämlich ein Museum vomEnde der Monarchie; es ist dies auf zweierlei Art. Einerseits verfolgte seineGründung das Ziel, in Auseinandersetzung mit und als Antwort auf dendamals in der Donaumonarchie grassierenden Nationalismus eine verglei-chende Binnen- Völkerkunde und Volkskunde zu betreiben. Unter Einbezugzumindest aller nach dem Ausgleich mit Ungarn verbliebenen Ethnienbestimmte die Gründungsidee auch die Sammlungsdoktrin bis 1918. Ande-rerseits ist das Museum, weil etwa ein Drittel der Objekte bereits in dieserZeit Aufnahme in die Sammlungen fanden, selbst ein Denkmal der Doppel-monarchie. Dies blieb es auch zumindest bis 1945, als erstmals im Sinne derIdentitätsstiftung das typisch Österreichische hervorgekehrt und eine Kon-zentration auf die alpinen Bestände eingeleitet wurde. Von allem Anfang anaber wurde in diesem Hause ein enger Konnex zur namengebenden Wissen-1 Schriftliche Fassung eines am 26. August 1993 vor Vertretern der Presse gehal-tenen Statements zum Konzept der im ÖMV geplanten neuen Schausammlung.Das wissenschaftliche Konzept wurde in Zusammenarbeit von Klaus Beitl, FranzGrieshofer, Margot Schindler und Bernhard Tschofen erarbeitet; die Gestaltungbesorgt das Architekturbüro Elsa Prochazka mit Ursula Klingan, Volker Thurm- Ne-meth und Barbara Plankensteiner( Exponatevidenz während der Planungsphase).