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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
Doris SAUER, Erinnerungen: Karl Haiding und die Forschungsstelle, Spiel und Spruch". Redaktion: Helmut Eberhart- Elke Maria Hammer(= Beiträge zur Volkskunde und Kulturanalyse, Band 6). Wien, Selbstverlagdes Helmut- P.- Fielhauer- Freundeskreises( Gesellschaft für Volkskunde undKulturanalyse), 1993, 229 Seiten, Abb.
Als einen ersten Beitrag“( S. 118) zur Geschichte von Archiv undForschungsstelle ,, Spiel und Spruch" hat die Autorin ihre in der Reihe desHelmut- P.- Fielhauer- Freundeskreises am Institut für Volkskunde der Uni-versität Wien herausgegebenen ,, Erinnerungen“ verstanden. Es sollte dereinzige bleiben: Doris Sauer ist unmittelbar vor Erscheinen des Bändchensbei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt- und mit ihr ist eine wichtigeZeitzeugin der österreichischen Volkskunde verstummt, von der sicher nochso manches Mitteilenswerte zu erwarten gewesen wäre. Dies gilt für diegenannte Sammlung- 1942 von Karl Haiding als ,, Forschungsstelle, Spielund Spruch" in Stift Rein bei Graz etabliert und 1985 als Legat in den Besitzdes Salzburger Landesinstituts für Volkskunde übergegangen derenKenntnis D. Sauer ihrer wiederholten Beschäftigung mit der Thematik¹ undden Sammelbeständen verdankte; dies gilt auch für die Person( bewundertviel und viel gescholten) Karl Haidings, den sie erstmals 1939 im Rahmendes Lehrgangs für Volks- und Jugendmusikleiter der Reichsjugendführungin Berlin kennenlernte. Mit diesen inhaltlichen Schwerpunkten ihrer Remi-niszenzen behandelt D. Sauer eine Institution und eine Persönlichkeit, diefür die österreichische Fachgeschichte wenn schon nicht von überragender,so doch und zweifellos von repräsentativer Bedeutung sind.
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Die Forschungsstelle ,, Spiel und Spruch" des 1942 gegründeten ,, Insti-tuts für deutsche Volkskunde"( einer Unterabteilung der unter Kuratel desReichsleiters Alfred Rosenberg stehenden ,, Hohen Schule“ der NSDAP)war der Autorin bereits aus den Tagen ihrer studentischen Kriegshilfsdienstebekannt; nach dem Zweitstudium der Medizin und einer fachfernen beruf-lichen Karriere wurde sie Anfang der achtziger Jahre von Haiding- Paganinizur Neuordnung seiner Sammlung eingeladen. In ihrer Schilderung derersten Erfahrungen mit dem Archiv und der Tätigkeit in ihm vier Jahrzehntespäter spiegelt sich dieses als ganz im Dienste einer, zur ,, Waffe im Kampfum deutsches Land“( S. 147) umfunktionierten Volkskunde stehend und alsbeispielhaft für die politisch- ideologische Okkupation des Faches, derenkonkrete Abläufe und Ergebnisse auf institutioneller Ebene z.T. noch rechtim Dunklen liegen.²
In Rückschau ihrer Begegnungen mit dem Gründer dieser zum propagan-distischen Medium arischer Gesinnung herabgekommenen ,, Forschungs-stelle"( der zugleich auf Kriegsdauer die Leitung des gesamten ,, Institutsfür deutsche Volkskunde“ übertragen bekommen hatte) zeichnet D. Sauer