Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
341
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1993, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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Anna- Dorothee von den BRINCKEN, Fines Terrae. Die Enden der Weltund der vierte Kontinent auf mittelalterlichen Weltkarten. Hannover 1992(= Monumenta Germaniae Historica. Schriften 36). XLIII, 243 Seiten, 48Abb.

Der vorliegende Band stammt von einer der derzeit besten Kennerinnenmittelalterlicher Geographie und Kosmographie und beschäftigt sich kei-neswegs nur mit dem Australkontinent und den Randbereichen der Ökume-ne, wie der Untertitel vermuten lassen könnte, sondern kann, bei einigenVorkenntnissen, als Darstellung mittelalterlicher Universalgeographie über-haupt gelesen werden.

Knapp hundert Seiten sind dem Überblick über traditionelle Vorstellun-gen zum Thema Ökumene und Australkontinent gewidmet( I und II), imRest des Buches sind verschiedene Aspekte der weniger einheitlich behan-delbaren Vorstellungen vom Rand der Ökumene zu Problemkreisen geord-net: u.a. werden die Gestalt der Erde, die Mongolen, die Westexpansion derSkandinavier, der Rand der Ökumene im Allgemeinen behandelt; überra-schenderweise fehlt ein eigener Abschnitt über die immer wieder ange-schnittene Antipodenfrage. Ein Exkurs zu der bekanntesten Fälschung derKartographiegeschichte unseres Jahrhunderts, der Vinlandkarte, schließtdas Buch auf berechtigt ironische Weise ab.

Besonders hervorzuhehen ist noch, daß die Autorin mehr noch als infrüheren Veröffentlichungen wiederholt und dezidiert gegen falsche neu-zeitliche Vorstellungen vom mittelalterlichen Weltbild ins Feld zieht, sei esnun gegen das Märchen von der Scheibenform der Erde im Mittelalter( z.B.S. 100ff) oder gegen die angebliche Wissensfeindlichkeit von Kirchenvä-tern und mittelalterlichen Klerikern( z.B. S. 214).

Der Band ist durch Register und ein ausführliches Inhaltsverzeichnisbestens erschlossen, der- wohl aus drucktechnischen Gründen ans Endegestellte Bildteil auch in der Reproduktionsqualität einwandfrei. DasQuellen- und Literaturverzeichnis ist umfangreich( XV bis XLIII) undenthält kaum Fehler( XXI, Z. 33f lies zweimal Kosmographie statt Kosmo-logie; XXXIII, Z. 13 falsche Silbentrennung), wie überhaupt der Textbestens korrekturgelesen ist.

Die Darstellung ist durchwegs klar und systematisch-- manchmal viel-leicht sogar zu systematisch, wenn in Hauptteil II und III chronologischgeordnete Autoren und Werke der Reihe nach vorgenommen werden; diestut aber der Lesbarkeit des Buches keinen Abbruch, ganz im Gegenteil:Auch als Nachschlagewerk wird es somit brauchbar und sei als solchesjedem, der sich mit mittelalterlicher Geographie beschäftigt, trotz des nichtganz niedrigen Preises wärmstens empfohlen.

Rudolf Simek