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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
gangen, wobei autonome Arbeiten, in denen Odol mehr zufällig auftaucht( wie in jenen von Carlo Carrà, Stuart Davis oder Karl Schmidt- Rottluff),neben dezidierten Entwürfen von Künstlern für Odol stehen. Vielleicht hätteman besser daran getan, die Trennung in bildende Kunst und Werbung erstgar nicht zu vollziehen, um zu griffigeren Aussagen zu gelangen? Letztlichfehlt nämlich die Interpretation dessen, was – über das bloße ,, Vorkommen“der vier Buchstaben hinaus die Bedeutung Odols in jener Gemengelagevon ,, hoher" und ,, niederer" Kunst ausmacht.
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, Odol to me means Heimatklänge", schrieb eine deutsche Emigrantin1990 an den amerikanischen Odol- Produzenten. Und bei aller Internationa-lität des Produktes- ,, in aller Munde"-, sind sich die Autoren des Bandesdoch sehr wohl bewußt, daß ihre Mühen vor allem einer Inkunabel deut-schen Alltags gelten. Odol nämlich, heißt es in einem der Beiträge ,,, riechtnur nach Odol und nach Deutschland". Mit diesem unausgesprochenenLeitsatz im Hinterkopf und in der Odol- eigenen erfrischenden Art sind dieeinzelnen Aufsätze geschrieben. Das Ergebnis kann sich trotz mancherMängel sehen lassen: Mit seinen undogmatischen Schwerpunktsetzungenund aufgrund des faszinierenden Materials wird es nicht nur an Alltagsge-schichte Interessierte ansprechen.
Bernhard Tschofen
DINZELBACHER, Peter( Hg.), Sachwörterbuch der Mediävistik. Stutt-gart, Kröner, 1992, 941 Seiten.
P. Dinzelbachers, Sachwörterbuch der Mediävistik' bietet auf 941 Seitenin knapp gefaßten Überblicksartikeln prägnante Detailinformationen undweiterführende Literatur zu rund 3000 Stichwörtern. Das im bekanntenKröner- Design gehaltene einbändige Nachschlagewerk bemüht sich umgrößtmögliche Interdisziplinarität' mit Schwerpunkt Literaturwissenschaftund nennt als Zielgruppe gleichermaßen Studierende, Lehrende und eininteressiertes Laienpublikum. Ein ausführliches Vorwort gibt Auskunft überMethode und Zielsetzung des Bandes; eine Art ,, Gebrauchsanweisung“, einAbkürzungsverzeichnis und ein Verzeichnis der Mitarbeiter sollen eineökonomische Benützung gewährleisten. Eine Zusammenstellung mittelal-terlicher Autoren und Anonyma im Anhang bietet ergänzende chronologi-sche Angaben, eine Auswahl an Speziallexika² hält grundlegende bzw.weiterführende Literatur bereit.
Bereits ein erster kurzer Blick auf Anspruch und Form der Verwirkli-chung läßt die Notwendigkeit von Kompromissen erahnen. Die Problematikeines einbändigen Sachwörterbuchs der Mediävistik spiegelt sich denn auchin der Genese des Werkes wider: Zwei Herausgeberschaften³ haben sich