Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

Jahrhundert allenthalben in Europa zu einer Blütezeit dieser Kunst vonHandwerkern und vielfach auch Ordensleuten. Die Entstehung von hausin-dustriellen Zentren für die massenhafte Herstellung von Erzeugnissen inStroheinlegearbeit und auch ihre weitverbreitete Fertigung in Zuchthäusernund Kriegsgefangenenlagern bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wiederumsind vor dem Hintergrund des Pauperismus, der dauernden Armut großerBevölkerungsschichten dieser Epoche, zu sehen.

Die Ausstellung ,, Stroh- Intarsia bietet den ersten Versuch, eine Darstel-lung der vielfältigen europäischen Erscheinungsformen, der geschichtli-chen, regionalen und sozialen Ausdifferenzierung dieser Kunstfertigkeitzwischen Handwerk, Hausindustrie, Volkskunst und Bricolage zu geben.

Die wissenschaftliche Autorin der Ausstellung ist Lison de Caunes( Pa-ris), die sich auch als Restauratorin und Kunsthandwerkerin auf diesesGebiet spezialisiert hat. Die künstlerische Gestaltung der Ausstellung liegtin der Hand des Pariser Designers und Galerieinhabers Gérard Saint- Fort-Paillard. Die Ausstellung, die durch Sammlungsbestände des Österreichi-schen Museums für Volkskunde erweitert wurde, wird in Zusammenarbeitmit der Pariser Organisation ,, Scènes sur Seine" und dem FranzösischenKulturinstitut in Wien im Rahmen des Programms der Gemischten Kultur-komitees Österreich- Frankreich durchgeführt.

Klaus Beitl

,, Ġelem, ģelem lungone dromeja..."

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Ich bin einen weiten Weg gegangen Aus dem Leben der RomaSonderausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittseevon Juni bis Oktober 1993

Ġelem, ģelem, lungone dromeja bedeutet auf Romanés Ich bin einenweiten Weg gegangen. Es ist dies die erste Zeile eines Liedes, das beim ersteninternationalen Romakongreß 1971 in London zur internationalen Hymneerklärt wurde. Wenn es sich hier auch um den Beginn eines in Romakreisenüberall bekannten Liedes handelt, das an sich im ehemaligen Jugoslawienentstanden ist, so erschien es doch symbolisch für das Schicksal der Roma inden vergangenen Jahrhunderten und geeignet als Titel einer Ausstellung, dieausgewählte Bereiche aus dem Leben der Roma näher zu beleuchten sucht.

Im 10. Jahrhundert wanderten Roma bereits aus Indien in RichtungEuropa, wo seit dem 15. Jahrhundert Chroniken von ihnen berichten. In dasGebiet des ehemaligen Westungarn kamen sie im Gefolge der türkischenBesatzung. Mit der Geschichte ihres Auftretens verbinden sich auch Nach-richten über ihre Verfolgung: Ihres fremdländischen Aussehens wegen alsAußenseiter und Heiden Glossar ::: zum Glossareintrag  Heiden betrachtet, galten sie als ,, vogelfrei und waren der