1993, Heft 3
Chronik der Volkskunde
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einer Ziehung teil, die im Rahmen der ,, 1. Steirischen Kulturmesse" am 19.Juni 1994 stattfinden wird. Den Gewinnern winken attraktive Preise- vomStädteflug für zwei Personen, über Studienfahrten bis hin zu wertvollenSachpreisen aus steirischem Kunsthandwerk.
Die Abteilung für Volkskunde zeigt trotz ihres würdigen Alters also keineAltersschwäche. Die Mitarbeiter sind vielmehr bemüht, durch neue Ideenund Initiativen die positive Stimmung zu verstärken, die derzeit durch einvermehrtes Interesse an Fragen der Volkskultur feststellbar ist. Alle Arbeitgeschieht in der Zuversicht, daß auch die notwendigen Entscheidungen derübergeordneten Stellen in angemessener Zeit zugunsten des Steiermärki-schen Landesmuseums Joanneum und seiner kulturwissenschaftlichenSammlungen eine gedeihliche Entwicklung über die Jahrtausendwendehinaus ermöglichen werden.
Roswitha Orač- Stipperger
,, Stroh- Intarsia"
Kunsthandwerk, Hausgewerbe und Volkskunst in Europa vom17. bis 20. Jahrhundert
Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskundevom 23. September bis 16. Dezember 1993
Mehrere Ausstellungen haben im vergangenen Jahr ausgewählte Beispie-le von Kunstwerken in der so ausgefallenen wie auch landläufigen Technikder Stroh- Intarsia( ,, Marqueterie de Paille“) neuerlich bekanntgemacht: Aufder einen Seite hervorragende kunsthandwerkliche Stroheinlegearbeitenwie das Memento mori- Bild des A. F. Langgreber von 1635 im MuseumÖsterreichischer Kultur in Eisenstadt, die einzigartige große Theaterkulissevon 1680 des Augustiner Chorherrenstiftes Neustift bei Brixen oder dieNachbilder der Passionsdarstellungen von P. P. Rubens im neueröffnetenWiener Diözesanmuseum; auf der anderen Seite die Masse der in der Artvon Holzintarsia ausgeführten feinen Stroheinlegearbeiten von Mosaikmu-stern, Bildszenen, Architekturen und Landschaften auf Schatullen, Büchsen,kleinen Truhen und Kästchen, aber auch auf Gegenständen religiöser An-dacht hausindustrieller Fertigung, die als sog.„, Berchtesgadener Ware" zumSammlungsbestand vieler Museen gehört.
Die künstlerische Technik der Stroh- Intarsia für Bilder, elegante Ge-brauchsgegenstände und Möbel hat sich im Zeitalter des Manierismus, derStilrichtung der bildenden Kunst zwischen Renaissance und Barock, zu-gleich mit der Entwicklung von Holz-, Elfenbein-, Schuppen- und Metall-einlegearbeiten entfaltet. Der Reichtum der Dekors, die Vielfalt der Farbenund das Spiel des Lichtes auf den Strohhalmen führten im 17. und 18.