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Olaf Bockhorn
ÖZV XLVII/ 96
seit
ler. Als solcher sieht er sich primär, wenn er 1862 schreibt:Jahren( ist) in allen deutschen Gauen das Bedürfnis erwacht, dieQuelle volksmässiger Überlieferung, welche die Ungunst mehrererJahrhunderte hatte versanden und von fremdem Gestrüpp feindlichumwuchern lassen, wieder zu reinigen und, wenn auch nur mehr ausstill und spärlich rieselnder Fluth, daraus Erkenntniss des eigeneninnersten Lebens des Volkes zu schöpfen, den poetischen Sinn des-selben in seinem geheimen Wehn zu belauschen, in seine Kultur- undSittengeschichte sich lebendiger zu vertiefen, sein Lachen und Jauch-zen, sein Fürchten und Bangen, seine Liebe und seinen Zorn zuverstehen, seine Vorzüge und Tugenden zu achten und zu ehren, seineIrrthümer und Fehler aufzudecken und zu verurtheilen. Diesen Zwecksuchen auch, obschon im bescheidenen Mass, die gegenwärtigen, undso Gott will, die künftigen Beiträge zu verfolgen. Ich nehme mit ihnennur den Namen eines Sammlers in Anspruch."< 23
Den veröffentlichten Schriften Baumgartens ist nicht zu entneh-men, wie er gesammelt hat. Er scheint mit einem Netz von Gewähr-spersonen gearbeitet zu haben und versuchte auch, Vergangenes vonGegenwärtigem zu trennen, also einigermaßen historisch- korrektvorzugehen. Eine Fußnote, welche er seiner unter dem Titel„, DieErnte in Oberösterreich" an Mannhardt gesandten Ausarbeitung bei-gegeben hat, zeigt dies deutlich: ,, Wo der ergebenst Gefertigte dieLokalität feststellen konnte, hat er es gethan. So oft die Angabe fehlt,konnte er sich eben auf keine bestimmte Mittheilung hierüber beru-fen. Die Bestimmung nach den alten 4 Kreisen oder Vierteln desLandes erschien ihm naturgemäßer, als jede andere. War es ihmmöglich, so hat er durch den wechselnden Gebrauch des Präsens unddes Präteritum angedeutet, ob ein Brauch noch geübt, eine Meinungnoch festgehalten wurde oder nicht. Doch bekennt er, daß es höchstschwierig sei, in diesem Punkte ins Reine zu kommen, da seit einemJahrhundert wachsender Einfluß der Schule, der jährlich sich stei-gernde Verkehr haben im Gedankenkreise des oberösterreichischenVolkes eine gewaltige Umwälzung und Zersetzung hervorgerufen,und es muß fast einer aus ihnen sein, sollen sie in dieser Einsicht volleAufrichtigkeit zeigen: so groß ist die Furcht, für abergläubisch gehal-ten, oder gar als dumm verlacht zu werden." 24
23 A. Baumgarten( wie Anm. 4), 1862, S. 3f.
24 Amand Baumgarten: Die Ernte in Oberösterreich, Ms., Titelseite. Dem Titel istbeigefügt: ,, Verschiedene Ortschaften".