Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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Oskar Moser

ÖZV XLVII/ 96

Allein wer das Verzeichnis von weit über 500 einschlägigen Titelnseiner Veröffentlichungen durchschaut, darunter über ein Dutzendgewichtiger und prächtiger Großbände, eine große Zahl von Spezial-untersuchungen zu den verschiedensten Sachgebieten und eine Füllevon Museumsführern und Ausstellungskatalogen, der weiß, was wirdamit meinen. Wie kaum ein anderer so hat Franz Carl Lipp Volksle-ben und Volkskultur seines Landes gekannt und kongenial erschlos-sen. So hat er in den letzten 60 Jahren auch aktiv an deren Erforschungbeträchtlichen Anteil, und zwar auf den verschiedensten Gebieten,namentlich aber in der Haus- und Möbelforschung, in der historischenund erneuerten Kleider- und Trachtenkunde, auf vielen Gebieten desHandwerks und der Volkskunst sowie nicht zuletzt auch in derBrauchforschung. Immer erwies er sich als ein unermüdlich Suchen-der und als erfolgreicher Sammler für sein Museum, als ein genialerInterpret und als ein großartiger, künstlerisch begnadeter Neugestal-ter. Und das nicht nur im haptischen Bereich musealer Darstellung,als Lehrender am Institut für Volkskunde der Universität Wien, son-dern immer und überall auch draußen im Leben, in allen Schichtender Gesellschaft, in Stadt und Land. Es war die gewinnende Ausstrah-lung eines Mannes, dessen Nähe zur lebendigen Kunst zur, Kunstim Ursprung", wie er selbst es gerne formuliert hat- von der Vorzeitbis zur Moderne und zu den Künstlern der Gegenwart. Gerade dieshat ihn ja auch als einen Ästheten par excellence letztlich in all seinemWirken beflügelt, ja geradezu getrieben. Sein Bestreben galt daherimmer einer zeitgemäßen Verlebendigung des Museums: ,, MusenMuseum- Musik war sein Dreiklang... ,, Ein Gleiches im nämlichenReihen Ein Schicksal im selben Geschick!" sagt er selbst. LetzterSinn alles dessen ist für ihn nicht bloße Konservierung des Gewese-nen, sondern dessen tiefere geistige und schöpferische Hereinnahmeund Vergegenwärtigung ins Heute.

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Franz Lipp war nie ein Schreibtischgelehrter. Er stand immerdraußen in der größeren Welt, er hatte Kontakte mit bedeutendenPersönlichkeiten und Stellen in seinem Land wie auch in der Wirt-schaft, die sich ihm darum gerne helfend zur Seite stellten. Und erstand ebenso gerne draußen unter seinen Landsleuten, am liebstenwohl unter ihnen, deren Gewand er selber trug und zeigte, derenSprache er sprach, um deren Schwächen und Stärken, deren musi-schen Genius er Bescheid wußte, mochten es Salzarbeiter bei denAusseer Schweglpfeifern, Holzknechte aus der Gegend von Goisern,