1993, Heft 2
Literatur der Volkskunde
227
déža muß man seitens der Volkskunde darauf verweisen, daß mit der auchin Inventaren häufig registrierten ,,, Back- Dêse/-Döse“ ein ganz speziellesZubereitungsverfahren des Brotteiges in Inner- und Oberkärnten sowie auchin Ost- und Südtirol zusammenhängt. Hier wird nicht ein muldenartigerBacktrog dazu verwendet, sondern ein bottichartig rundes, gebundenesTiefgefäß mit einer spatelförmigen Teigschaufel, das eher an einen unmit-telbaren Zusammenhang mit ,, Dose/ Döse“ denken läßt, zumal es sich umein sehr altertümliches Verfahren der Bereitung des Brotteiges handelt.
==
Unter den Sachwörtern sei nicht zuletzt auch ,, Têie"= Almhütte, Senn-hütte angeführt, ein altes alpenromanisches Lehnwort der westlichen Alpen-länder, mit dem auch Ortsnamen wie das Ötztaler Kühtai u.a. zusammen-hängen. Der Artikel ,, Teie" von Elisabeth Groschopf läßt immerhin schondie sachlich- strukturellen und funktionellen Unterschiede der so bezeichne-ten Almbehausungen etwa in ganz Alt- Tirol sowie im Alemannischen Raumgegenüber denen in den östlichen Alpenländern erkennen.
Rechtsgeschichtlich aufschlußreich sind die Stichwörter ,, Teiding" samtdessen Ableitungen( ,, ferteidingen“: verteidigen)( Sp. 1328 – 1348) bzw.,, Teil" bis ,, Teilung“( Sp. 1379 – 1423) von verschiedenen Bearbeitern mitmanchem formalen und Bedeutungswandel. U.a. wird aus dem TirolerUnterland ,, Geißteiding“ für eine Fastnachtsbelustigung durch einenGeiẞhirten und dessen gereimten Faschingsbrief gemeldet( Sp. 1337).
Schließlich muß man für die Volkskunde insbesondere auf die Artikel vonWerner Bauer zu ,, telkeln“ und„, Telker/ Tölkner/ Tölgger“ hinweisen( Sp.14461449). Die Wort- und die Sachgeschichte dieser heute vermutlichkaum noch üblichen oder auch nur bekannten Bezeichnungen betreffenjedenfalls einen altbairischen Ansingbrauch der Mittwinterzeit und sindschon in den fünfziger Jahren in der Münchener volkskundlichen, histori-schen Schule eingehend diskutiert worden( Hans Moser, Hellmut Rosenfeld,Josef Hanika Bayer. Jahrbuch für Volkskunde 1955/56). Hier hat J. Hanikadie seit 1325/26( Regensburg) als ,, Telcharner" und noch 1570 bis 1690durch Kirchenrechnungen in St. Veit in Defreggen( Osttirol) kontinuierlichbezeugten Begehungen eines solchen Umsingbrauches mit den sogen.,, Klöpflern“ und„, Klöcklern“ anderswo verglichen und umfassend heraus-gearbeitet. Die Verwendung eigener, quasi ,, kultischer" Hämmerchen sowiedie Nähe zu sonstigen Klopfan- Bräuchen und winterlichen Dämonenvor-stellungen hat Hanika breit herausgestellt. Vergessen sollte man allerdingsnicht den rechtshistorischen Hintergrund um den ,, Hausfrieden“, der dazuwohl unmittelbarer Anlaß war. Hans Moser denkt dagegen mit H. Rosenfeldan ein Germanisches* telkan/ telken ,, stampfen, schroten" im Sinne der,, Urtechnik“ zur Breibereitung( A. Gamerith) und, damit verbunden, an dieim ganzen Donauraum reichlich belegten Brot-, Teig-, Semmel- und Ku-chenspenden und meint zusammenfassend:„, Sieht man das Telkkorn in