Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

Art wird Wien, wenn die Stadt Jahr für Jahr von den Krähen erobert wird.In riesigen Schwärmen kommen sie aus Osteuropa, um hier zu überwintern.,, Steinhof" heißt eins der bevorzugten Domizile, und wer das Schauspiel derspätnachmittäglichen Schlafplatzaufsuchung schon einmal gesehen hat,dem wird es unvergeßlich bleiben. Unvergeßlich auf seine besondere Weiseist auch der Böhmische Prater am Laaer Berg- er mutet wie ein Relikt auseiner anderen Zeit, einer anderen Welt an. Einer der schönsten Anachronis-men, den diese Stadt zu bieten hat. Wien ist Märchen und Wien ist Alp-traum- zwischen den verschiedensten Requisiten aus Monarchie und Post-moderne möge sich der Neugierige aufmachen, sich bedenkenlos im Detailverlieren und Verbundenheit und/ oder Irritation erleben guter Führung,scharfsinnig und witzig, kann man schon vorab einmal sicher sein.

Maria Present

Hermann EHMANN, affengeil. Ein Lexikon der Jugendsprache(=Beck'sche Reihe 478). München, Beck, 1992. 156 Seiten.

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Outfit und

Nicht nur Kleider, sondern auch Wörter machen Leute( besondere) Sprache signalisieren Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia-len Gruppe( und stärken die Zusammengehörigkeit). In der Regel wird derAbstand zur Standardsprache vor allem durch einen gruppenspezifischenWortschatz hergestellt, der nach den jeweiligen Erfordernissen bzw. Inter-essen ausgebildet ist. Auch die Sprache der jungen Generation ist alsderartige Sondersprache anzusehen. Hermann Ehmanns Lexikon liegteine ,, sprachwissenschaftlich- didaktische Dissertation mit umfangreichenFeldforschungen, im Druck erschienen 1992, zugrunde( S. 22). Die Belegewurden in verdeckt- teilnehmender Beobachtung sowie mit Hilfe von situa-tiv- punktuellen Interviews und Fragebögen gesammelt, wobei der Autoreindeutig umgangssprachliche Ausdrücke nicht berücksichtigen wollte( S. 22f.). Vollständigkeit konnte freilich nicht angestrebt werden; erstaunli-cherweise wird der Leser jedoch über die Kriterien für die Auswahl derLexikoneinträge im ungewissen gelassen( nach Ausweis des Anhangs warEhmanns Fundus sehr viel umfangreicher).

Einleitend gibt der Verfasser eine kurze Charakteristik der deutschenJugendsprache( S. 9ff.). Das Hauptaugenmerk gilt naturgemäß dem grup-penspezifischen Wortschatz, der zum Teil in die Umgangssprache Eingangfindet/ finden wird; bekannt ist, daß die Jugendsprache reich an Elativierun-gen( vgl. Bildungen wie übergeil oder, im Wiener Raum, urleinwand),Schimpfwörtern und auch Obszönem ist. Die Vorbemerkungen Ehmannssind allerdings doch etwas allgemein gehalten; so etwa wäre eine Typisie-