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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
inhaltlichen Arbeitsgruppen- etwa zu dem nach wie vor arg vernachlässig-ten Genre der Ausstellungskritik- vor, andererseits dokumentiert er diepraktischen Projekte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ihre Erfahrungenmit Konzepten und deren Umsetzung. Realisiert wurden: Ruhezeit. EineAusstellung über Denkmäler( in der niederösterreichischen Provinz) miteinem besonderen Augenmerk auf den Besucherreaktionen, Mein Favorit.Auf den Spuren des Bildhauers Leopold Kosig( 1864 – 1944), eineNachlaẞsichtung mit Umfeldrekonstruktion( in der Gebietsbetreuung Favo-riten) sowie eine lokale industriegeschichtliche Ausstellung über DieSchmidtstahlwerke. Arbeitsbilder aus Favoriten( im Bezirksmuseum da-selbst). Eine für das Bezirksmuseum Rudolfsheim- Fünfhaus geplante De-potausstellung sammel- T- räume, in der die Bedeutungsebenen musealerObjekte exemplarisch thematisiert hätte werden sollen, scheiterte an räum-lichen Problemen, während eine für das Jubiläumsjahr der Naturfreunde1995 konzipierte Präsentation inzwischen wegen angeblicher Finanzie-rungsschwierigkeiten zurückgestellt worden ist. Die Berichte der einzelnenVorhaben mögen zwar von so unterschiedlicher Professionalität wie die Vorha-ben selbst sein, sie belegen doch allemal die Bedeutung experimenteller Ter-rainbeschreitungen für eine fundierte und reflektierte Museographie.
Letzteres demonstriert auch in recht eindrucksvoller Art und Weise derhier exemplarisch vorzustellende Begleitband zu einer mit viel Erfolg imvergangenen Sommer gezeigten Lehrgangs- Austellung Licht- Spiele. Neu-bauer Kinos gestern und heute. Im Mittelpunkt der Verortungen stehen dieLokalgeschichte des Faszinosums Kino, seine Versprechungen und Verfüh-rungskünste, die Dynamik seiner Attraktivität und seine gegenwärtigenProbleme und Konkurrenten. Die zehn Projektantinnen und Projektantenverstehen es dabei, den Anforderungen des Gegenstandes wie des MediumsFilm entsprechend, stets die richtige Balance zwischen Essay und Analyse,zwischen Erzählung und Dokumentation zu finden. Das lokale Material,umsichtig recherchiert und zusammengestellt, erfährt somit eine weit überdie Bezirksgrenzen hinausreichende Interpretation: ein geglücktes Modell-beispiel, das zudem zeigt, wie unerläßlich eine gezielte museologischeAusbildung für die Qualitätssteigerung in der alltäglichen Praxis ist.Bernhard Tschofen
Renate BANIK- SCHWEITZER u.a.( Hg.), Peter LACHNIT( Red.): WienWirklich, Der Stadführer. Wien, Verlag für Gesellschaftskritik, 1992,383 Seiten, Abb.
Einmal ein Stadtführer der anderen Art und vielleicht oder höchstwahr-scheinlich genau so einer, wie Sie ihn schon immer und überall gesucht,