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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
Leider läßt die Arbeit Wideras gerade die Fortschritte in der historischenHausforschung der letzten Jahre völlig außer acht, daher verwundert esnicht, wenn sie ziemlich schnell an ihre Grenzen stößt.
Christoph Dautermann
Heinz ELLENBERG, Bauernhaus und Landschaft in ökologischer undhistorischer Sicht, Stuttgart( Hohenheim), Verlag Eugen Ulmer, 1990,585 Seiten, 224 Farbtafeln, 357 Zeichnungen und Karten, 9 Tabellen
Der stattliche und stoffgesättigte Band ist die neueste zusammenfassendeDarstellung der vielfältigen Bauernhausformen Deutschlands in dessenGrenzen vor 1938, wie immer man sich zu diesem Gegenstand stellen mag.Die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens liegen auf der Hand undlassen sich wohl nur überwinden, wenn jemand wie der Verfasser diesesBuches, von ,, der Schönheit und Vielfalt alter Bauernhäuser und Höfe"überzeugt, mit wahrer Begeisterung es auf sich nimmt, die Fülle des anste-henden Stoffes und dessen gesamten Komplex der Fragen und Probleme zubewältigen. Dazu kommt, daß Heinz Ellenberg als Geobotaniker und Öko-systemforscher ganz spezielle Seiten des bäuerlichen Siedlungswesens an-peilt und versucht, die ländlich- bäuerlichen Bauweisen in geoökologischerund genetischer Sicht zu betrachten. Wie er selbst sagt, kommt es ihmdarauf an, das Zusammenwirken natürlicher und kultureller Faktoren inseiner geographischen und historischen Vielfalt zu verfolgen, ohne dabeiden Überblick zu verlieren“( S. 388a). Schon in diesem Programm liegengewissermaßen die Fußangeln eines so multidimensionalen Gegenstandeswie der vernakulären Architektur, deren Abhängigkeit von so vielen ,, Fak-toren" in großräumiger Zusammenschau immer zu fragwürdigen Lösungentreibt, zumal wenn bei aller Verankerung in historischen Tatbeständen alleinnach äußeren ,, Haus- und Hofmerkmalen“ und nach einem Versuch jüngsterflächendeckender Geländeaufnahmen vorgegangen wird.
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Den engen und harmonischen Beziehungen zwischen Bauernhaus undLandschaft an Hand eigener Kartierungen sowie vergleichender und histo-rischer Darstellungen vor Ort nachzugehen, ist bekanntermaßen dasHauptanliegen des Autors. Dazu setzt er sich in den ersten Abschnittenseiner Darstellung sowohl mit der von ihm angewandten ,, Methodik“ derKartierungen wie auch mit den einzelnen Hauptstufen der Landschafts- undBauformen- Entwicklung seit der Steinzeit auseinander. In Abschnitt III undIV erörtert Ellenberg einzelne Haus- und Hofmerkmale, ihre Verbreitungund deren Ursachen sowie deren Auswirkung auf Hofform und Landschaft.Sie sind für ihn, angefangen von Anlage und Aufbau der Gebäude bis zu