Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Herbert PAULITSCH: Das Phänomen ,, Bukovništvo in der Kärntner-slowenischen Kultur- und Literaturgeschichte(= Studia Carinthiaca Slove-nica 5). Klagenfurt/ Celovec Ljubljana Wien/ Dunaj, Verlag Her-magoras/ Mohorjeva, 1992, 184 Seiten.

Die maschinenschriftliche Erstfassung der vorliegenden Arbeit wurdevon der Philosophischen Fakultät der Universität Wien im Jahr 1987 alsDissertation angenommen( 233 S.) und wurde nun in unveränderter Formabgedruckt. Der Autor vermerkt in seinem Begleitwort, daß die neuerenwissenschaftlichen Erkenntnisse und Entdeckungen im Bereich des, buko-vništvo bei der Drucklegung nicht berücksichtigt werden konnten.

Die Arbeit stellt den ersten Gesamtüberblick des literatursoziologischenPhänomens des Kärntner, bukovništvo, des Volkspoetentums, dar, dessenAnfänge bis in die Zeit des slowenischen Protestantismus ins 16. Jahrhun-dert zurückreichen. Schon damals begannen sich in Kärnten die erstenhandschriftlichen Texte zu verbreiten. Das literarische Schaffen der, buko-vniki gliedert Paulitsch in drei( in der Fachliteratur bereits bekannte)Entwicklungsphasen: die Phase der Abschreiber, die Phase der Übersetzerund die Phase der, klassischen bukovniki. Es folgt ein kultur- und literatur-geschichtlicher Abriß mit einer sorgfältigen Bestandsaufnahme des aus deneinzelnen Phasen überlieferten Materials. Besonders eindrucksvoll undwertvoll sind die zahlreichen Faksimile- Aufnahmen der gedruckten und derhandschriftlichen Texte( viele erscheinen erstmals im Druck). Der Autorerörtert das dialekt- und schriftsprachliche Verhältnis der Abschriften zu dengedruckten Werken und versucht einige komplexere Fragestellungen bezüg-lich des, bukovništvo zu beantworten.( Einige kritische Bemerkungenwollen wir am Schluß systematisch zusammenfassen). Zur Zeit der Ab-schreiber( 16./17. Jahrhundert) sorgten die, bukovniki' aus Arnold-stein/ Podklošter und den angrenzenden slowenischen Dörfern für das Wei-terbestehen des slowenischen Protestantismus in Kärnten. ProtestantischeDruckwerke, wie etwa die Übersetzung der Spangenberg- Postille 1567, dasNeue Testament Trubars 1557, die Dalmatin Bibel 1584, die Sadnikar- Hand-schrift, protestantische Gebets- und Liederabschriften( z.B. Kristianskebukvize 1784) dienten den, bukovniki' als Grundlage. Einzelne Teile derBibel und auch andere Erbauungsliteratur wurden abgeschrieben, abgenütz-te und fehlende Textstellen handschriftlich vervollständigt. Bei den ältestenHandschriften handelt es sich um anonyme Texte, deren EntstehungszeitRamovš, der sich bereits 1920 in seinem Aufsatz Zanimiv koroškoslovenskirokopis mit dieser Frage beschäftigte, etwa um die Mitte des 18. Jahrhun-derts ansetzt.

Durch die kontrastierende Gegenüberstellung ausgewählter Belegstellenaus Originaltexten( z.B. Tulščak- Handschrift, Ta stari passion...) und deren