Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Hubert LEISCHNER, Menschen im Gebirge. Mit Texten von Bertl Petrei.Klagenfurt, Verlag Johannes Heyn,( 1991), 154 Seiten.

Gianni BODINI, Menschen in den Alpen: Arbeit& Brot. Mit einemBeitrag von Hans Haid. Bozen: Edition Rætia,( 1991) LizenzausgabeRosenheimer Verlagshaus Alfred Förg, Rosenheim, 1992, 155 Seiten, zahl-reiche Farbphotos.

In der Fülle laufend erscheinender Bildbände sind solche von einiger-maßen ernst zu nehmender wissenschaftlicher Bedeutung nur selten. Mei-stens fehlt es an einem entsprechenden Tiefgang und noch öfter fehlenwesentliche Voraussetzungen, sei dies nun vom Quellenwert des Dargestell-ten, sei es vom verantworteten Begleittext her gesehen. Die beiden vorste-henden Titel markieren daher zumindest für den Volkskundler Grenzposi-tionen in einem heute sehr gängigen Genre, das sich nur zu gerne derAttraktion des ,, Volkstümlichen" bedient, auch wenn seine Buntheit oft überallzu seichten Wassern dahinflattert.

Hubert Leischners schöner Band mit meisterhaften Schwarz- Weiß- Pho-tos ist da in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahme. Er ist eine ausgewählteReprise persönlichster Erinnerungen aus den ersten schweren Nachkriegs-jahren von der Zuflucht eines im Krieg gestrandeten jungen Menschen undBerufsphotographen in einem weltfernen Osttiroler Bergtal, das die Volks-kunde seit Hermann Wopfner und Maria Lang- Reitstätter längst kennenge-lernt hat: Innervillgraten. Hier erzwang die äußerste Not eines heimatlosgewordenen ,, Heimkehrers" zunächst adäquate äußere Bedingungen für dasErleben und die Einschau in ein entbehrungsreiches und hartes Bergbauern-dasein. So entstanden völlig unprätentiös Bilder, die mit dem späterenNostalgie- Rummel oder mit einer glorifizierten Bauernwelt Ahnungsloserwenig zu tun haben. Leischners Bilder gerieten vielmehr zu einer leichtüberhöhten Betonung des Kreatürlichen in einer noch relativ geschlossenenund engen Lebenswelt. Und treffend meint dazu Lois Ebner, der es ja wissenmuẞ, in seinem Nachwort( S. 152): ,, Am Beispiel Villgraten der unmittel-baren Nachkriegszeit( 1945- 1948) wird derart die urtümlich- ursächlicheund harmonische Verquickung zwischen Mensch und Natur manifest, findenBrauchbarkeit und Beständigkeit einer uns heute schon weitgehend entfrem-deten Daseinsform ihre bildhaft- schöne und glaubhafte Bestätigung." Hiersind nicht die Dinge, sondern die Menschen Gegenstand der Darstellung:Die Kinder, vor allem die Kinder, mit den Erwachsenen und den Alten; undbei der Arbeit wie beim Rasten. Und da ist kaum ein Bild, von dem derBetrachter leicht loskommt, zumal Bertl Petrei dazu die allgemeinen undexistenziellen Hintergründe einführend und begleitend beisteuert. Ergrei-fender Ausdruck tiefer Gottergebenheit dieser Menschen am Berg wirdspürbar in dem Bild von der streng frontal gezeichneten Frau mit dem