Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
193
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVII/ 96, Wien 1993, 193- 228

Literatur der Volkskunde

Arnold NIEDERER, Alpine Alltagskultur zwischen Beharrung und Wan-del. Ausgewählte Arbeiten aus den Jahren 1956 bis 1991. Herausgegebenvon Klaus Anderegg und Werner Bätzing. Bern/ Stuttgart/ Wien, Verlag PaulHaupt, 1993, 518 Seiten, Bildteil mit 105 Abb.

Arnold Niederers Beiträge zur alpinen Kultur zählen mit Recht zumInspirierendsten, was die letzten Jahrzehnte zu diesem gerade für dieSchweizer Volkskunde so wichtigen Arbeitsgebiet hervorgebracht haben.Sie sind zuletzt im Zeichen einer historischen Ökologie wieder vermehrt insBewußtsein der Fachöffentlichkeit vorgedrungen und haben auch innerhalbder aktuellen Diskussionen um die Probleme des alpinen Raumes bei denNachbarwissenschaften Beachtung gefunden. Eine Sammlung von zwanzigder bedeutendsten Studien und Aufsätze zu diesem Themenkreis lädt nunzur neuerlichen Lektüre und Auseinandersetzung ein.

Im Mittelpunkt der abgedruckten Arbeiten Niederers.- von seiner Dis-sertation Gemeinwerk im Wallis( 1956) bis zu seinen jüngsten Äußerungenzum kulturellen Wandel und seinen Folgen- steht das Walliser Lötschen-tal die alpine Wahlheimat des Ordinarius für Volkskunde an der Universi-tät Zürich( 1964- 1982) und Nachfolgers von Richard Weiss. Mit RichardWeiss, dem Aushängeschild schweizerischer Volkskunde in den ersten bei-den Nachkriegsjahrzehnten, teilt Arnold Niederer seine stark biographischmotivierte Begeisterung für die Berglandwirtschaft, die Hirtenkultur und diegenossenschaftlichen Formen alpinen Wirtschaftens. So sind seine Studienauch als Beitrag zur jahrzehntelang gültigen kulturellen Selbstbestimmungder Schweiz als demokratisch verfaßtes Bergland zu verstehen. Niedererläßt dabei aber bereits in seinen frühesten Studien nicht jenen distanziertenScharfblick vermissen, der zwischen den bei solcherlei Themenstellungenscheinbar bis in die Gegenwart unumgänglichen Fallen der Verklärung undder rundumschlagenden Kulturkritik hindurchführt. Im Gegenteil, da wer-den bereits früh spannende Umkehrschlüsse gewagt und etwa auf die kulti-sche Überhöhung bestimmter Wirtschaftsweisen im Interesse einer Schwei-zer Nationalkultur verwiesen. Da werden aber auch- weil stets die mensch-liche Arbeit und die materiellen Grundlagen des Alltagslebens im Mittel-punkt stehenniemals die Momente des Wandels zugunsten der traditio-nellen Ordnungen aus den Augen verloren, und da wird der eigene Gegen-stand explizit reflektiert, wenn etwa unter dem Titel Wir Bergler in den

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