1993, Heft 2
Chronik der Volkskunde
189
matisch und genau ihre alltägliche Umgebung zu beobachten, die registrier-ten Erscheinungen mit vielen anderen in Verbindung zu setzen und sie allein einen breiteren Kontext zu stellen. 1976 legte er seine Lehrtätigkeitnieder. Der Lehrstuhl ist seitdem nicht neu besetzt worden.
Ton Dekker
Otto Koenig( 1914- 1992)
Am 5. Dezember 1992 starb in seiner Heimatstadt Klosterneuburg derWilhelminenberger Verhaltensforscher Otto Koenig. Er war Gründer undLeiter der ,, Biologischen Station Wilhelminenberg"( 1945- 1966), Direktordes ,, Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften“( 1967- 1984), Gründer und Leiter des,, Instituts für Angewandte Öko- Ethologie“( 1982 bis zur Gegenwart) undTräger zahlreicher Orden und Auszeichnungen.
Koenig konsolidierte seine Forschungsstationen durch drei Vereinsgrün-dungen: 1984 ,, Verein für Ökologie und Umweltforschung", 1957,, Gesell-schaft der Freunde der Biologischen Station Wilhelminenberg“, die unterihrem neuen Namen„, Gesellschaft der Freunde der Forschungsgemein-schaft Wilhelminenberg“ nun die Unternehmungen des 1982 gegründeten,, Instituts für Angewandte Öko- Ethologie" fördert, und ebenfalls 1957 dennoch immer unter dem selben Namen aktiven Trägerverein ,, Forschungsge-meinschaft Wilhelminenberg".
Das ,, Institut für Angewandte Öko- Ethologie“, das die weit über dendeutschen Sprachraum hinaus bekannten Wilhelminenberger Traditionenfortsetzt, umfaßt mit einem zentralen Sekretariat in Wien die Abteilungen:,, Otto Köhler" Staning an der Enns( 1982) ,,, Nico Tinbergen" Leobersdorfim Marchfeld( 1982) ,,, Erwin Stresemann" Rosenburg( 1984),„ OskarHeinroth" Greifenstein( 1984), den Forschungsstützpunkt Hohe Wand unddie Assoziierte Sonderabteilung Vogelpark Schmiding.'
In seinen Publikationen und in seiner mehrmals neu benannten Senderei-he im Österreichischen Fernsehen( ORF 1956 bis 1992), die zuletzt wie dasgleichnamige Buch zur Sendung ,, Rendezvous mit Tier und Mensch" hieß,vertrat Otto Koenig innerhalb der allgemeinen Verhaltensforschung eineeigene Richtung, die er durch Jahrzehnte gemeinsam mit seiner Frau undengsten Mitarbeiterin Lilli Koenig am Wilhelminenberg erarbeitet und inÜbereinstimmung mit seinem Lehrer Konrad Lorenz ,, Kulturethologie"genannt hatte.
Liest man Koenigs Bibliographie², so findet man schon in den erstenWilhelminenberger Jahren Aufsätze und Bücher, die Koenigs Interesse für