Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVII/ 96, Wien 1993, 183- 192
Chronik der Volkskunde
,, Mit Glauben und Liebe"
Volkstümliche sakrale Statuen aus den Sammlungen desHistorischen Museums des Slowakischen Nationalmuseums BratislavaSonderausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittseevon April bis August 1993
Die sakralen Plastiken gehören zum wertvollsten Bestand der volkstüm-lichen bildenden Kunst in der Slowakei. Aus Holz, selten aus Stein herge-stellt, entstanden die ältesten zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Kontinui-tät ihrer Entwicklung im 20. Jahrhundert wurde durch vierzig Jahre religi-onsfeindlicher Politik gestört, konnte aber doch nicht gänzlich gebrochenwerden. Das beweisen die Werke, die aus dieser wie auch der jüngsten Zeit
stammen.
Für den einfachen, ungeschulten Menschen, der diese Figuren für sichselbst und seine Umgebung mit Liebe schuf, bedeuteten sie nicht nur Freudean der ästhetischen Gestaltung. Als Ausdruck und Verkörperung seinesGlaubens an Gott haben die Skulpturen eine starke, anhaltende innere Kraft.Obwohl sie durch ihre rauhe Einfachheit und Unvollkommenheit strengenästhetischen Kriterien nicht genügen, erfüllen sie gerade den heutigenMenschen mit Bewunderung für ihre innere und äußere Symbolhaftigkeit.Die Themen sind auch Ausdruck der Freuden und Schmerzen der Menschenin der Darstellung der Geburt Christi, den zahlreichen Holzkrippen, derMutterliebe in Gestalt der Madonna mit dem Kind bis zu Leiden und Tod inder Fastenzeit mit dem Höhepunkt der Kreuzigung. Am häufigsten wurdein der Slowakei der Schmerz der Mutter mit dem Leichnam ihres Sohnes inForm der Pietà dargestellt. Es ist auch kein Zufall, daß die hl. Maria alsKönigin Maria Regina die Patronin Ungarns ist, während in der Slowakeidie Mater dolorosa, also die Schmerzensreiche Mutter Gottes mit demLeichnam Jesu auf dem Schoß, als Patronin verehrt wird.
Doch über die Leiden dominiert auch in der Auffassung der Künstler dieFreude über die Auferstehung. Viele Darstellungen des Auferstandenen undvon Christus als dem Sieger verkörpern Hoffnung und Glauben an dieÜberwindung des Todes.
Die volkstümliche Umgebung beeinflußte die Gestaltung zahlreicherHeiligenfiguren, die für die Menschen Beschützer und Begleiter im Alltagund Fürsprecher in Notsituationen waren, zu denen man sich mit seinen