Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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1993, Heft 2

Dinge ohne Erinnerung

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Prag transportiert, währenddessen deren Besitzer in die Vernichtungs-lager deportiert wurden. In den Gebieten außerhalb des ProtektoratsBöhmen und Mähren wurde ebenfalls damit begonnen, jüdischenBesitz systematisch zu beschlagnahmen und für den Transport nachPrag bereitzustellen, wo ihn jüdische Kunsthistoriker und Mu-seumsfachleute- die meisten von ihnen sollten später in Theresien-stadt, Auschwitz und anderen Vernichtungslagern ermordet werden-zu ordnen und zu katalogisieren hatten. 22 Es gibt auch Hinweise, daßnationalsozialistische Dienststellen wie das Finanzministerium Expo-nate aus geplünderten jüdischen Sammlungen wie dem Berliner Jü-dischen Museum auf dem internationalen Kunstmarkt anboten.23

Nach 1945 begannen jüdische Organisationen mit Hilfe der Westal-liierten, die Rückführung jüdischen Eigentums zu organisieren. ZurAuffindung und Rückerstattung von kulturellen Gütern wurde in deramerikanischen Besatzungszone mit der ,, Jewish Cultural Recon-struction Inc."( JCR) eine eigene Organisation gegründet, in derjüdische Gelehrte, unter ihnen Hannah Arendt, arbeiteten. Kult- undRitualgegenstände wurden, soweit ihre Besitzer die Konzentrations-lager überlebt hatten, an diese rückerstattet. Wo dies nicht mehrmöglich war, wurden die Gegenstände zum Teil restauriert und anjüdische Einrichtungen wie Museen, Bibliotheken oder Synagogen inIsrael oder anderen Staaten verteilt. So wurden allein von der ,, JewishCultural Reconstruction Inc. 7.867 Ritualgeräte und 1.024 Torarol-len aus Deutschland einer neuen Bestimmung zugeführt. 24 In derbritischen Besatzungszone nahm sich die ,, Jewish Trust Cooperation"( JTC) der Rückführung und Neuverteilung jüdischer Kulturgüter an.Mit Hilfe des JTC gelangten so Teilbestände des ehemaligen BerlinerJüdischen Museums in britische und israelische Sammlungen. 25 Dievon den Restitutionsorganisationen rückgeführten Judaika bildetenfreilich nur einen Bruchteil der von den nationalsozialistischen Be-

22 Linda A. Altshuler, Anna R. Cohn: The Precious Legacy. In: David Altshuler( Hg.): The Precious Legacy. Judaic Treasures from the Czechoslovak StateCollection. New York 1983, S. 17-44, hier S. 24- 38. Zum Jüdischen MuseumPrag vgl. neuerdings: Edna Brocke, Michael Zimmermann( Hg.): Das JüdischeMuseum in Prag. Von schönen Gegenständen und ihren Besitzern. Bonn 1991.23 Hermann Simon: Das Berliner Jüdische Museum in der Oranienburger Straße.Geschichte einer zerstörten Kulturstätte. Berlin( Ost), 1988, S. 90.

24 Georg Heuberger: Zur Rolle der ,, Jewish Cultural Reconstruction nach 1945.In: Felicitas Heimann- Jelinek( Red.)( wie Anm. 21), S. 97- 103, hier S. 101.25 Hermann Simon( wie Anm. 23), S. 95f.