1993, Heft 2
Nahrungsforschung und Multikultur
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ten aus Ost- und Südeuropa interessanten Angebot an Kleidung,Haustextilien und Haushaltselektronik. Man trifft hier, bei denMarktständen und in den meist mit Waren aller Art' tituliertenkleinen Geschäften, immer wieder auf jene sich ständig wiederholen-de beschränkte Palette an Dingen des bescheidenen Luxus und destäglichen Bedarfs, wie sie auch in den anderen osteuropäischen Ko-lonien Wiens massiert feilgeboten werden: Kaffee und Wolle,Quartzuhren und Autoradios, Lederjacken, Ledergürtel und T- Shirts.Die exotischen Glossar ::: zum Glossareintrag exotischen Genüsse und ich verstehe darunter das gesamteAngebot der fremdländischen Händler bis hin zu den fertigen Speisenin den umliegenden Gasthäusern, nicht aber etwa die Bananen, Piz-zas, Fertiggerichte oder Schafskäse der Supermarktketten 18 sindalso im Falle des Brunnenmarktes in ein regelrechtes Netzwerk vonselbstbewußter Migrantenkultur eingebettet. Unter exotischen Glossar ::: zum Glossareintrag exotischen Vor-zeichen macht die alteingesessene Mehrheit aber besonders von ei-nem bestimmten Teil des Angebotes Gebrauch: Von den Frischwaren,von den Backwaren und Imbissen; kaum jedoch von den non- food-Waren, die der Selbstversorgung der Minderheit dienen und naturge-mäß vielmehr unter dem Mangel an Warenästhetik, unter dem Stigmader Marginalität leiden als etwa Obst und Gemüse.
So sehr der Markt zwar die Funktion erfüllt, die in seiner Umge-bung ansässigen Angehörigen fremder Kulturen mit Vertrautem- bishin zur Kommunikation in der Muttersprache- zu versorgen, so sehrist er Bestandteil einer neuen Kultur, die kein bloßes Abbild derKultur aus den Herkunfstländern der Immigranten ist. Er ist keinzufälliger folkloristischer Farbtupfer, er ist Umschlagplatz gesuchterExotik Glossar ::: zum Glossareintrag Exotik. Was der oben zitierte Zeitungsartikel anspricht, ist Bestandteiljener Attitüden, die hier von bestimmten Milieus mitgekauft undmitgegessen werden. Einmal ganz davon abgesehen, daß das Angebotin der Tat bestechend und die Preise niedrig sind, also durchaus auchökonomische Aspekte eine gewichtige Rolle spielen mögen, unter-liegt der Begeisterung für den Brunnenmarkt auch ein symbolischer17 Martin Pollak, Christoph Ransmayr: Wien, Mexikoplatz. Geschäftsbericht auseiner osteuropäischen Kolonie. In: Hubert C. Ehalt, Manfred Chobot, GeroFischer( Hg.): Das Wiener Donaubuch. Ein Führer durch Alltag und Geschichte.Wien 1987, S. 187- 197.
18 Eine Auseinandersetzung mit der marktgemäßen Konfektionierung exotischer Glossar ::: zum Glossareintrag exotischerEẞerfahrungen gerade in der Tiefkühl- und Konservenkost( mit inzwischen selbstspanischen, griechischen oder indischen Fix- Zubereitungen) würde freilich diehier skizzierten Trends bestätigen. Dazu v.a. Rath 1984( wie Anm. 7), S. 270f.