Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Stefanos D. IMELLOS, Θρυλούμδνα για την Άλωση και την εθνικήarokatáσtaon[ Sagen über den Fall Konstantinopels und die nationaleWiederherstellung der Griechen]. Athen, Vereinigung zur Verbreitungnützlicher Bücher( Nr. 39) 1991.91 Seiten.

In der traditionsreichen Buchreihe der Vereinigung zur Verbreitungnützlicher Bücher( unter volksbildnerischen Aspekten 1889 von D. Vikelasgegründet) sind fünf Studien des Athener Volkskundeprofessors( und ehe-maligen Direktors des Forschungszentrums für Griechische Volkskunde ander Akademie Athen), Stefanos Imellos, den griechischen Sagenkreis umFall und Wiedereroberung von Konstantinopel betreffend, mit einer Ausnah-me bereits veröffentlicht, ohne wesentliche Zusätze wiederabgedruckt. Diethematisch mehrfach ineinandergreifenden Stoffkreise führen zu unver-meidbaren Wiederholungen, die zwar in Querverweisen aufgefangen, abernicht gänzlich eliminiert sind.

Die erste Studie( S. 7- 28), hervorgegangen aus einer Mittelschul- Redezum Anlaß des 29.4.1453, dem Tag der Halosis des Byzantinischen Reiches,gibt eine Übersicht über den Sagenkreis rund um die Persönlichkeit und dieTaten des letzten byzantinischen Kaisers Konstantinos Palaiologos im Ver-gleich zu den historisch gesicherten Quellen. Mit dem Schwert in der Handsoll er bis zuletzt gekämpft haben( tatsächlich hat er jedes freie Abzugsan-gebot von Sultan Mehmet II. abgelehnt), worauf sich die Sage von seinerVersteinerung in einer Höhle gründet, bis ihn der Engel des Herrn wieder-auferstehen lassen wird, um die Türken aus Konstantinopel zu vertreiben.Zur Sprache kommt auch das Auferstehungswunder der halbgebratenenFische, als Wunderzeichen für den tatsächlichen, aber nicht geglaubten Fallder Stadt, das Holzschwert des letzten Kaisers, mit dem er die Stadt verlorenhat und mit dem er sie wiedergewinnen wird, und andere Motive, die in derFolge noch ausführlicher zur Sprache kommen werden.

Die zweite Studie( S. 29- 49, veröffentlicht in der Laografia 34,1985/86, S. 44- 57 und 355- 360, auch im Sammelband Aŋµóðdiçnapadóσdiç, Athen 1988, S. 260- 274, vgl. meine Besprechung in ÖZVXLIV/ 93, 1990, S. 105-107) über das Wiederlebendigwerden der gebrate-nen Fische als Beweiszeichen für den Fall von Konstantinopel, welche jetztnach orthodoxen und islamischen Überlieferungen im Heiligen Brunnen derΖωοδόχος Πηγή"( des Lebenspendenden Wassers) in Kloster Baluklischwimmen sollen( dazu unbedingt L. Kretzenbacher, LebenspendenderQuell. Legende und Bilder der byzantinischen Gottesmutter als Brunnendes Lebens". Im Band: Bilder und Legenden. Klagenfurt 1971, S. 112ff undauch H. Hunger, Das lebenspendende Wasser. Jahrbuch der Österr. Byzan-tinistik 38, 1988, S. 125- 157), stellt ein Pendant zum Hahn- Wunder dar,der in der apokryphen Judaslegende des Nikodemus- Evangeliums als Auf-erstehungszeichen auftaucht( dazu W. Puchner, Studien zum Kulturkontext