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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
Medien- oder die politische Kultur. Auch diesen Bereichen wird im Vorlie-genden übrigens Raum gegeben, und zudem schlagen Beiträge zum Genredes Portraits und des Essays inhaltliche wie formale Brücken zur kulturwis-senschaftlichen Disziplin.
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In einem weiteren Sinn läßt sich das Buch freilich auch schlicht alsAnleitung zum Handwerk des Schreibens, der Gebrauchsschriftstellerei-worüber und in welchem Medium auch immer lesen. Die sog. geistigeArbeit besteht ja bekanntlich zu einem Gutteil aus recht geistlosen Hand-griffen und ist über weite Strecken eine Tätigkeit, die ihren Erfolg kalku-lierter Planung und bedachter Organisation verdankt. Gezielte Recherche,effiziente Information und Lektüre und sorgfältige Redaktion, all das istausschlaggebend für die Qualität einer Produktion- ob Zeitungsartikel oderwissenschaftlicher Aufsatz. Daß nebenbei in ihrem Praxisbezug bis insSteuertechnische reichende Ratschläge für den selbständigen journalisti-schen Broterwerb anfallen, werden alle jene mit Dankbarkeit registrieren,die sich bereits oder künftig im„ glänzenden Elend“ des Freiberuflers( wieLeopold Schmidt das einmal ausgedrückt hat) sehen. Jedenfalls verdient dasangezeigte Buch neben einschlägiger Fachliteratur seinen Platz in jedervolkskundlichen Handbibliothek.
Herbert Nikitsch
Narodna umjetnost 28( Zagreb, Institut za etnologiju i folkloristiku1991). 451 Seiten, 34 Abb. auf Taf, zahlreiche Notenbeispiele.
Das traditionsreiche kroatische Periodikum hat, in schwieriger Zeit, nachUmbenennung der wissenschaftlichen Trägerinstitution( nun nicht mehrZavod za istraživanje folklora- Forschungsinstitut für Folklore, sondernInstitut für Ethnologie und Folklore, was nach der ost- und südosteuropäi-schen Klassifikation auch eine Themenerweiterung in Richtung materielleKultur, Untersuchung von sozialen Institutionen und Strukturen usw. impli-ziert) sein 28. Jahrbuch in gewohnter Form vorgelegt.
Es enthält 14 zum Teil recht umfangreiche Sachstudien( allen Beiträgensind wie üblich fremdsprachige résumés beigegeben) und insgesamt 56Besprechungen, die besser als alles andere den breiten methodischen undsachlichen Interessenshorizont des Mitarbeiterstabes dokumentieren. DerBand hebt mit einem Beitrag von Jerko Bezič an über die traditionelle Musikauf der Adriainsel Šolta( S. 9- 48, mit 28 Notenbeispielen und Instrument-abbildungen), in dem vom Beispielmaterial der Feldforschung zwischen1959 1986 die Entwicklung des Singens und Musizierens in diesemZeitraum abgelesen wird; es folgt eine Studie von Ruža Bonifačič„ Wir
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