Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Dieter HESS( Hg.), Kulturjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildungund Praxis. München- Leipzig, List Verlag 1992, 235 Seiten.

Volkskunde ist derzeit keine prosperierende Wissenschaft- zumindest inÖsterreich. Und ihr Studium ist kein Brotstudium- das wohl auch anderorts,wo man bereits vor knapp zehn Jahren Studenten und Absolventen denAusweg ins( print-) mediale, journalistische Erwerbsleben empfohlen hat( s.Heinz Schilling: Berufsfeld Medien. In: Berufsleitfaden Volkskunde. Hg.von Hermann Bausinger. Tübingen 1984). Grund genug, hier ein Buchvorzustellen, dessen Anzeige, über das pragmatische Moment des Arbeits-marktes hinaus, in einem volkskundlichen Publikationsorgan nicht verwun-dern darf: Schließlich mag Volkskunde als- um im Duktus H. P. Fielhauerszu sprechen demokratische" Kulturwissenschaft, die der trivialen Le-bensproblematik, den Mikrostrukturen des Alltags( Bausinger) nachspürt,eo ipso dazu verpflichtet sein, in allgemein- verständlicher Form ihr Sujetzu vermitteln. Das setzt wie alles schlicht Kenntnisse voraus, ein( erlernba-res) know how, wie einschlägiges Wissen unter den Bedingungen einesbestimmten Mediums anzuwenden, professionell umzusetzen und so derAnschluß von der Theorie an die Praxis zu finden ist.

Der Münchner List- Verlag hat bereits mit einigen Lehrgängen im Rah-men seiner Reihe Journalistische Praxis" seine didaktische Kompetenz aufdiesem Gebiet bewiesen. Mit der vorliegenden Publikation erweitert er dieFolge seiner Handbücher, wie sie unter anderem zum Fernseh-, Radio- oderWissenschaftsjournalismus vorliegen, durch eine, auf dem deutschsprachi-gen Markt erstmalig angebotene Einführung in das Berufsfeld der kultur-journalistischen Arbeit. Und er bleibt auch in deren Aufbau der Strukturseiner Handbücher treu: Durchgängig als Handlungsanleitung konzipiert,stellt der Band nach vorbereitenden Kapiteln über Berufsfelder, Ausbil-dungswege und allgemeine Arbeitsmittel und-techniken in dem zurecht alsWerkstatt" firmierenden Hauptteil die klassischen Genres des Kultur-journalismus vor und schließt mit Beiträgen zu Berufsalternativen"( vondenen jener zur ,, kommunalen Kulturarbeit als für volkskundliche Aspiranzbesonders aktuell hier expressis verbis hervorgehoben sei). Fast jedemAufsatz, jeweils aus der Feder einschlägiger Fachleute und Praktiker stam-mend, ist ein, Exkurs" nachgeschickt, in dem besondere Aspekte der behan-delten journalistischen Arbeitsfelder, wie z.B. spezifische Produktions- undVermittlungsbedingungen in bestimmten Medien behandelt werden.

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Es schmälert die Brauchbarkeit des Bandes nicht, daß ihm ein rechttraditioneller, also auf die Hoch- und Sonderzustände der conditio humanazielender Kulturbegriff zugrunde gelegt ist. Literatur-, Theater-, Film-,Musik- und Kunstkritik gehören nun einmal herkömmlicherweise zu denvorrangigen und gefragtesten kultur journalistischen Agenden und ver-drängen nach wie vor den( vielleicht wichtigeren) Blick auf etwa die