Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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1993, Heft I

Literatur der Volkskunde

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niemand mehr zu ganzheitlichen Lebenswelten zusammenfügen kann( vgl.auch M. G. Meraklis, Lebenserzählungen von messenischen Bäuerinnen.Kap. 11 im Band: Studien zum griechischen Märchen. Eingeleitet, übersetztund bearbeitet von W. Puchner. Wien 1992). Die methodische Zwischenbi-lanz von Nitsiakos scheint hier doch noch ganz andere zukünftige Zugangs-möglichkeiten zu versprechen.

Walter Puchner

Ursula KATZENMEIER, Das Schachspiel des Mittelalters als Struktu-rierungsprinzip der Erec- Romane(= Beiträge zur älteren Literaturgeschich-te). Heidelberg, Winter, 1989. 133 Seiten.

Daẞ Hartmann von Aue in seinem ersten Artusroman, dem Erec, dieSpielmetapher reichlich verwendet hat, ist längst aufgefallen( vgl. etwaGertrud Höhler, Euph. 68, 1974, S. 413ff). Ursula Katzenmeier geht in ihrerMonographie, die aus einer Frankfurter Dissertation hervorgegangen ist,noch einen Schritt weiter. Die zahlreichen Verweise auf das Spiel beiHartmann sowie Erwähnungen von, Schach' und, matt setzen' bei Chrétiende Troyes hätten quasi programmatische Funktion( S. 37ff): Erec et Enideund Erec stellten nämlich inverse Schachallegorien dar, d.h. Texte, derenStruktur über das Schachspiel zu erschließen sei( S. 84f). Das Personal derbeiden Erec- Romane korrespondiere mit den mittelalterlichen Schachfigu-die Zuordnungen werden über Farbe, Gangart, Schlagweise und Bedeu-tung der Schachsteine vorgenommen, Erec und Enide/ Enite etwa seien diePendants von weißem König und weißer Dame( S. 25ff). Fazit: Das Struk-turprinzip des doppelten Kursus sei zu revidieren( S. 111f); die sich gerade-zu aufdrängende Frage, wie nun andere Artusromane zu beurteilen sind,bleibt allerdings am Ende des Bändchens unbeantwortet.

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Ein Problem ist, welche Signale die beiden Erec- Romane den mittelal-terlichen wie neuzeitlichen Rezipienten eigentlich als Schachallegorienerkennbar machen. Katzenmeier verweist auf folgende Punkte( S. 103f):1. Programmatisch seien zwei Passagen in Chrétiens Prolog:, denn wer seineKenntnisse nicht pflegt, wird sehr leicht etwas verschweigen, was ihm spätersehr zustatten käme( V. 6- 8); daß man nicht so klug handelt, wennman nicht sein Wissen mitteilt, solange Gott einem die Gnade dazu gibt'( V.16-18). Diesen Stellen unterlegt die Autorin ironischen Sinn und will sieals Aufforderungen an das Publikum sehen, den Text als eine Art Rätsel bzw.als Allegorie zu fassen( S. 21); dieser gewaltsamen Interpretation wird mankaum zustimmen können.- 2. Chrétien gibt in seinem gesamten Romanzwei Belege für Schach, einen für, matt setzen'( S. 39f). Diese an sichschon magere Ausbeute wird noch dadurch relativiert, daß Mattsein in afrz.