Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

weniger exemplarische Einzeldarstellungen. Etwas integrierter dargestelltist der Tourismus- aber alles in allem doch mehr faktenhaft, sieht maneinmal von der an Dieter Kramer angelehnten Einteilung der Fremdenver-kehrsgeschichte nach ökonomischen Epochen und von der Vorliebe fürausführliche Zitate aus dem Montafon- Essay der Annales- Historikerin Lu-cie Varga ab. Geradezu brillant hingegen nimmt sich die Schilderung des imMontafon praktizierten Agrarsystems, seiner Funktion im alltäglichen Über-leben und seines Wandels, aus. Ganz unprätentiös gelingt es hier dem Autor,hochkomplexe Zusammenhänge( Bevölkerungsentwicklung, Transhumanz,Existenzsicherung durch Zuerwerb, Autarkie und Innovation etc.) übersicht-lich und sprachlich klar darzulegen.

Daß etwa solches so überzeugend gelingt, und daß der Band eine Vielzahlmöglicher Fragestellungen aufzeigt ohne Defizite zu verschleiern, läßt dieseNeuerscheinung besonders erfreulich erscheinen. Dem kann auch eine un-motiviert merkwürdige, dabei aber aufwendige Gestaltung keinen Abbruchtun und selbst nicht der leider rein illustrative und historiographisch allzunachlässige Umgang mit dem faszinierenden Abbildungsmaterial. Nocheinmal: Ein Glück, wenn sich eine Bank ihr Jubiläum auf diese Art verschö-nert, ein Pech, wenn der mutige Anfang keine Fortsetzung findet.Bernhard Tschofen

Vasilis G. NITSIAKOS, Παραδοσιακές κοινωνικές δομές[ TraditionelleGesellschaftsstrukturen]. Athen, Odysseus- Verlag 1991, 175 Seiten.

Der Verfasser, Lektor für Volkskunde an der Universität Ioannina, Autorder Monographie Leeds Greek Community: Preservation and Transmissionof Traditional Culture". Leeds Univ. 1981 und A Vlach community inGreece. The Effects of its Incorporation into the National Economy andSociety". Diss. Cambridge 1985 sowie von Artikeln über die sozialenStrukturen der Transhumanz in Epirus( 1985), ihrer Eingliederung in dienationale Agrarpolitik( 1986/87), über Soziologie und Volkskunde( 1990),sowie über alternative Sozialstrukturen: Taufpatentum und Kundenbezie-hung( 1990), legt in dem schlanken Essay- Bändchen vorwiegend methoden-kritische Reflexionen zur Definition der Begriffswerkzeuge in der Anwen-dung auf das griechische Kulturfeld vor. Geschult am Begriffsinstrumenta-rium der englischen Sozialanthropologie verwirft er( wie schon viele vorihm) die Viktorianische Survivaltheorie in ihrer nationalistischen Ausfor-mung( Kontinuitäts- Theorem) und will ihr bipolares Modell von Einst/ Heu-te, funktionierende Volkskultur/ dysfunktionale Volkskultur usw. durch eindynamisches Erklärungsmodell ersetzt wissen, das die Grundlagen derstrukturell- funktionalen Methode nicht aufgibt, ihre systemartige Statik