1993, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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steht im Mittelpunkt der Forschungen, sondern der werktätige Mensch mitseinen Sorgen und Nöten. Ein, wie ich glaube, wichtiger Schritt, um derBreite an höchst aktuellen Problemstellungen gerecht werden zu können.Wolfgang Slapansky
Gernot KIERMAYR- EGGER, Zwischen Kommen und Gehen. Zur So-zial- und Wirtschaftsgeschichte des Montafons. Verfaßt im Auftrag derRaiffeisenbank Montafon aus Anlaß des 100. Bestandsjubiläums. Schruns1992, 174 Seiten, zahlr. Abb.
Das Montafon, jenes Tal im Süden Vorarlbergs, über das die Modernisie-rung in diesem Jahrhundert wie im Zeitraffer hinweggegangen ist, hattebislang vom Aufbruch der regionalen Geschichtsforschung im Lande wenigprofitiert. Nun ist mit dem von Gernot Kiermayr- Egger im Auftrag derRaiffeisenbank Montafon verfaßten Buch ein wichtiger Anfang getan, diekomplexe jüngere Geschichte des Tales verstärkt zu thematisieren.
Eines gleich vorweg: Man merkt dem Band an, daß Zeit und Mittel fürRecherchen begrenzt waren und daß sich der Autor mit der einen oderanderen angerissenen Frage gerne ausführlicher beschäftigt hätte. Aber manmerkt den dichten 170 Seiten auch an, daß hier bei allem notgedrungenenEklektizismus der Quellen und der Zugänge, eine übergeordnete Perspekti-ve nie ganz verloren geht. Im Mittelpunkt steht stets die Frage nach denveränderten Lebensbedingungen in einer sich stillschweigend revolutionie-renden agrarisch bestimmten Gesellschaft: sprich das Ineinandergreifen vonökonomischen und sozialen Veränderungen zwischen tradierter landwirt-schaftlicher Existenz, saisonaler Auswanderung und der Neuorientierung ander Fremden- und Elektrizitätswirtschaft. Die auf den erste Blick starreGliederung des Buches in drei Abschnitte Landwirtschaft, Tourismussowie Gewerbe und Industrie- steht dem Interesse an den Zusammenhän-gen nur scheinbar im Wege. Sie erweist sich vielmehr als Kunstgriff desAutors, die Materie einer leicht einsichtigen, locker chronologischen Abfol-ge zu unterziehen. Das entspricht dem Anspruch des Bandes auf einen- manhalte sich Auftraggeber und Anlaß in Erinnerung- lesbaren Überblick füreinen breiten Rezipientenkreis.
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Allerdings läßt sich hier einmal mehr das Dilemma von der Komplexitätder Moderne für eine regionale Wirtschafts- und Sozialgeschichte verfol-gen. Während nämlich der Abschnitt zur Landwirtschaft als der gelungensteerscheint, sind Kiermayer- Eggers Ausführungen zum Tourismus schon we-niger originell und der dritte- zu Gewerbe und Industrie- am wenigstenbefriedigend. Hier zeigt sich, daß der Fundus aufgearbeiteter Quellen dochnoch sehr dürftig ist und nicht für viel mehr ausreicht, als für mehr oder