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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
Es ist über die inhaltlichen Schwachstellen hinaus bedauernswert, daßnicht für eine feinere Abstimmung der einzelnen Essays aufeinander gesorgtwerden konnte. Mit etwas mehr Redaktionsarbeit hätte nicht nur manchebeim Lesen mühsame und nutzlose Wiederholung( selbst der Schlüsselplotfremder Forscher/ Mißtrauen/ Gendarmerie etc. nützt sich einmal ab) ver-mieden werden können, sondern gerade auch das oben genannte sprödeHantieren mit Lektüre.
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Doch ist es insgesamt nicht genug zu schätzen, daß die Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter des Projektes ihre Erfahrungen und Ergebnisse zur Diskus-sion stellen. Die eine oder andere Unstimmigkeit mag daher- wie auch dieKritik im Lichte der Auffassung dieses Bandes als Werkstattbericht ver-standen werden. Dies alles soll schließlich der Tatsache keinen Abbruch tun,daß mit Blatten vor allem ein neuer Weg zur Revision tradierter volkskund-licher Ortsmonographien in Richtung der Erforschung spezifischer Dorf-identitäten, der kommunikativen Strukturen oder des subjektiven Erfah-rungswissens vorgezeichnet wurde. Wenn dabei gleichzeitig ein diskutier-bares Zeugnis der Reflexion volkskundlicher Praxis angelegt wurde, emp-fiehlt sich solches umso mehr zur Nachahmung.
Bernhard Tschofen
Wolfgang KASCHUBA, Gottfried KORFF und Bernd Jürgen WARNE-KEN, Arbeiterkultur seit 1945- Ende oder Veränderung? 5. Tagung derKommission ,, Arbeiterkultur" in der Deutschen Gesellschaft für Volkskundevom 30. April bis 4. Mai 1989 in Tübingen(= Untersuchungen des Ludwig-Uhland- Instituts der Universität Tübingen, 76. Band), Tübingen 1991, 328Seiten.
Eine provokante Frage war es, mit der Dieter Zupfer die Teilnehmer der4. Tagung der Kommission„ Arbeiterkultur" in Steyr vor nunmehr fast sechsJahren auf die Heimreise schickte:„ Versteht man Arbeiterkultur als, quali-tative Größe, die der Arbeiterschaft Selbstvertrauen gibt, muß man sichfragen, wo sie heute- außer im Museum- noch zu finden ist. Sind nochlebendige Elemente einer solchen Arbeiterkultur aufzuspüren?“ Gibt es siealso noch, die Arbeiterkultur, und wo kann sie im postindustriellen Zeitalterverortet werden? Ist sie nur noch eine nostalgische Größe für Sozialroman-tiker, oder gibt es in der Nachkriegszeit Kontinuitäten in der Kultur undLebensweise der arbeitenden Bevölkerung?
Diesen und ähnlichen Fragestellungen widmete sich zwei Jahre später die5. Tagung der Kommission„ Arbeiterkultur“, deren Ergebnisse in der Tübin-ger Reihe erschienen sind. Den theoretischen Auseinandersetzungen zwi-schen unterschiedlichen Ausrichtungen im Bereich der Arbeiterkulturfor-