Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

Dritte Reich ab 1940, dann 1944- 1948 die Ächtung und Stellung derganzen Ethnie außerhalb des rumänischen Nachkriegsrechtes als Kriegsver-brecher und schließlich 1948 die formelle Rückerstattung der Bürgerrechteund der rumänischen Staatsangehörigkeit. Das kollektive Bewußtsein dergrundsätzlichen Zugehörigkeit zur deutschen Kultur und Sprache hat alsentscheidender Faktor zur Bewältigung dieser Zeit des Verlustes politischerund wirtschaftlicher Autonomie beigetragen und die Bemühungen für denErhalt einer Autonomie von Kirche und Schule als Gewähr dieser kulturellenIdentität in den Vordergrund gestellt. Aus dieser Haltung heraus ist es dannverständlich, daß alle Reformen und Maßnahmen der rumänischen Regie-rungen, auch wenn sie nicht ausschließlich die Deutschen im Lande betra-fen, als, kommunistisch- rumänische Aggression", als gewolltes Vernich-ten deutscher Identität empfunden wurden, sobald dadurch die letzten Frei-räume deutscher kultureller Autonomie mitangetastet wurden. Schon dieBodenreform 1921 brachte der evangelisch- lutherischen Kirche hohe Ver-luste an Grundeigentum und indirekt damit der deutschen Konfessionsschu-le, die vorwiegend aus dieser Quelle finanziert worden war. Die Verstaatli-chung der Schulen 1948 und die damit verbundene Kontrolle des kommu-nistischen Staates über die Bildungsinhalte wurde dann als folgenschwersterSchlag empfunden. Die Rußlanddeportation 1945 und die Enteignung desHausbesitzes aller Deutschen untermauerten das kollektive Mißtrauen denRumänen gegenüber, und selbst die Industrialisierungsmaßnahmen der 60erund 70er Jahre wurden, obwohl sie den Landlern als tüchtigen Handwerkerndie Möglichkeiten eines relativen wirtschaftlichen Wohlstandes sicherten,als ethnisch bedrohend, als rumänische demographische Manipulation"angesehen, da sie zahlenmäßig Bevölkerungsverschiebungen zu Ungunstender Deutschen im ehemals bäuerlich- geschlossenen Landlerdorf mit sichbrachten. Diese historischen Hintergrundinformationen hätten es dem Autorermöglicht, die jeweils aus einer subjektiven Erfahrungssituation herausgemachten Aussagen der Landler über Rumänen und das Mit- und Neben-einander mit ihnen zu einem verständlichen und übersichtlichen Bild zuordnen: zu unterscheiden zwischen dem rumänischen Kommunismus alsethnisch bedrohende Macht und dem als Individuum durchaus akzeptiertenrumänischen Arbeitskollegen oder Nachbarn, als Bewohner der Margini-me" jener Hirtendörfer, die als traditionelles arbeitsgebendes Umland fürdie landlerischen Maurer und Zimmerleute, Möbeltischler und Schreiner-maler seit dem 18. Jahrhundert von Bedeutung waren. Zahlreiche Hinweisein den Interviews streifen diese Problematik, doch hat der Autor versäumt,hier nachzuhaken( s. z.B. S. 39).

Auf den ersten Blick verspricht der formale Aufbau des Buches, demgrundsätzlichen Vorhaben des Forschers gerecht zu werden: anhand derKapitel Die Siebenbürger Sachsen als Vorläufer", Der heldenhafte Kampf(!) oberösterreichischer protestantischer Bauern- Die, Transmigration' der