66
Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVII/ 96
wird, bei der sich Hausfrauen nach wie vor mit dem Maß der( von Männerngeschaffenen!) Berufswelt messen lassen, für die sie die schnell- praktisch-gut- Rationalität der Industrieproduktion abkupfern sollen und gezwungensind, mit für und von der Industrie genormten Räumen, Möbeln und Gerät-schaften individuelle Arbeitsabläufe zu gestalten, um persönliche Bedürf-nisse zu befriedigen, solange wird das Problem Haushalt nicht gelöst wer-den- egal wer sich an dieser Pflichterfüllung alles beteiligen mag.
Gerne einmal würde ich eine Ausstellung( und einen Katalog) sehen, wodie schönen alten Dinge nicht als Mittel dienen, soziale Prozesse zu illu-strieren, wobei ihre Faszination dann doch wieder die herbeigerufene Ge-sellschaftlichkeit des Phänomens mit sanfter Pranke erschlägt. Die Wieder-aufnahme der guten alten volkskundlichen Tradition, die Dinge selbst sowieals Vergegenständlichungen menschlichen Handelns in den Vordergrundmusealen Nachdenkens zu stellen und – wie Erwin- genau zu untersuchen,um dann zu dokumentieren, was sie eigentlich getan haben und heute nochbewirken, ließe vielleicht die gesamte Familie wirklich„ gewitzter"( umWalter Benjamins begnadet formulierten Anspruch wieder einmal anzufüh-ren) die Ausstellung verlassen.
-
Eva Vobruba
Roland GIRTLER, Verbannt und vergessen. Eine untergehende deutsch-sprachige Kultur in Rumänien, Linz, Veritas Verlag, 1992, 208 Seiten.
Mit der akuten Erfahrung von der Endzeit deutscher Kultur in Siebenbür-gen, das als historische Landschaft durch das jahrhundertelange Wirkenseiner deutschsprachigen Bewohner geprägt ist, setzt im letzten Jahrzehntund vor allem nach dem politischen Umsturz 1989 ein auffälliges wissen-schaftliches Interesse am genannten Kulturraum ein. Die„ siebenbürgisch-sächsischen“ Städte und Dörfer mit ihren spezifischen, noch funktionieren-den Gemeinschaftsstrukturen dienen Sprachforschern und Volkskundlern,Soziologen und Museumsfachleuten als interessante Dokumentations- undBeobachtungsfelder. Girtlers Buch ist das Ergebnis einer solchen Forschungs-reise, die er 1990 und 1991 als Soziologe in einem interdisziplinären Team zuden siebenbürgischen„ Landler" nach Großpold unternommen hat.
Im Text eines Werbeblattes, das der Veröffentlichung vorausging, wirdauf das methodologisch Besondere des Buches hingewiesen, auf den„ ent-wissenschaftlichten" Schreibstil des Autors, der unbelastet von biblio-graphischem Ballast sich der Problematik stellen will, um in ,, freier Feld-forschung"„, authentische, einmalige Zeugnisse von einer untergehendenWelt“ in der packenden Form eines Erlebnisberichtes zu bringen.
Soweit, so gut. Doch schon beim Durchlesen des Klappentextes wird manbelehrt, daß die eigentliche Zielsetzung des Buches eine weit ambitiösere