Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
Seite
58
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band XLVII/ 96, Wien 1993, 58-99

Literatur der Volkskunde

Paul HUGGER( Hg.), Handbuch der schweizerischen Volkskultur. Lebenzwischen Tradition und Moderne. Ein Panorama schweizerischen Alltags.3 Bände, Zürich, Offizin Verlag, 1992; zus. 1534 Seiten, zahlr. Abb.( ital.Ausg. Bellinzona, Edizioni Casagrande, frz. Ausg.: Lausanne, EditionsPayot).

Viel spricht bekanntlich für die These, daß die Volkskunde als Wissen-schaft ihre intensivsten Phasen stets in Zeiten massiv durchschlagendergesellschaftlicher und kultureller Veränderungen erlebt. Die Annahme fin-det jedenfalls gegenwärtig ihre Bestätigung in der Schweiz, wo die Fachge-meinschaft nahezu fünfzig Jahre nach der Volkskunde der Schweiz vonRichard Weiß vor dem Hintergrund des Wandels, den das Land seitherdurchgemacht hat und angesichts aktueller helvetischer Neuorientierungs-versuche, zu einer Zwischenbilanz ausholte- und damit einen großen Wurflandete.

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Die gewichtige, von Paul Hugger, dem Ordinarius für Volkskunde an derUniversität Zürich, initiierte und herausgegebene Publikation läßt in ihrendrei Bänden nahezu achtzig Autorinnen und Autoren zu Wort kommen,davon drei aus dem Ausland. Darunter finden sich die Realisation einesderartigen Unternehmens legt es nahe- nicht nur Wissenschafterinnen undWissenschafter aus dem Fach selbst, sondern Beitragende aus einer breitenPalette an Nachbardisziplinen. Der schweizerischen Situation entsprechendkommen neben den in universitären und außeruniversitären Instituten Ver-ankerten auch jene zu Wort, die als Laien oder praktisch Tätige gerade inden einzelnen Regionen das breite Fundament des Faches sichern. Freilichsind die drei Bände über die inhaltlichen Zielsetzungen hinaus zuallererstdazu angetan, über den Stand volkskundlichen Denkens und Arbeitens inder Schweiz Auskunft zu geben. Der praktische Aspekt des Oeuvres, näm-lich eine zusammenfassende Darstellung auch für den alltäglichen Gebrauchüber Fachkreise hinaus zu sein, macht jedoch ein Urteil über die sehrunterschiedlich gewichteten Beiträge nicht eben leicht.

Zwischen Tradition und Moderne lautet nicht nur der Untertitel desHandbuchs, die Formulierung kennzeichnet auch die Zugangsweisen, wiesie primär am Aufbau der drei Bände abzulesen sind. Nach einführendenPerspektiven spannt sich der Bogen von den privaten und öffentlichenBereichen des Lebens- mit umfangreichen Darstellungen zur lokalen, re-gionalen und gruppengebundenen Kultur- bis zu den unterschiedlichsten