1993, Heft 1
Chronik der Volkskunde
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sorenkollegiums lamentierte über die geradezu beschämende, jegliche Ent-wicklung hemmende Unterbringung der beiden Fakultäten der Hochschulein der Laudon- und Skodagasse. Man hatte viel Geld für die Adaptierungder alten Gebäude ausgegeben, man könnte sagen hinausgeworfen."
Das Ganze erinnerte an das österreichische„ Ich will, aber ich kannnicht". Man hatte sich zwar für die Idee einer Hochschule für Bodenkulturentschieden, aber nicht für die Realisierung. Man hatte Rechtsbedingungengeschaffen, aber nicht die notwendigen Realbedingungen. Es war ein idealesKonzept, aber ohne praktische Konsequenz. Exner brachte den Vorgang aufden Begriff:
„ Man begann aber statt dessen, wie fast immer in Österreich, mit einemProvisorium und es war ein schweres Stück Arbeit, die hohe Lebensdauerabzukürzen, die man den Provisorien in Österreich mit Recht zuschreibt."Franz Josef I. hatte durch seine Entscheidungen Wohlwollen zu verstehengegeben. Er war aber kein Förderer der Hochschule für Bodenkultur. Wirwerden uns daher auch niemals Franz Josefs Universität nennen, obwohldieser Kaiser die BOKU durch seine Sanktion gründete. Ein Förderer derBOKU war Kronprinz Rudolf. Er stellte wertvolle Stücke aus seinen Samm-lungen zur Verfügung. Er wäre als Kaiser ein Freund der BOKU gewesen.Aber er starb auch für uns zu früh. 1878 wurde die BOKU dem Ministeriumfür Kultus und Unterricht unterstellt. Damit gingen ihr manche Möglichkei-ten verloren, die sie nie wieder gewonnen hat.
Nicht aufgrund einer Rationalitätskultur, sondern aufgrund der Erfahrun-gen durch Katastrophen kam es 1883 zur Schaffung einer kulturtechnischenAbteilung, also der heutigen Fächergruppe„ Kulturtechnik und Wasserwirt-schaft". Damit wurden die Raum-, Personal- und Finanzprobleme immergrößer. Nach 20 Jahren des Provisoriums ergab sich aus der Not der Zwangzum Handeln. Man suchte nach einem neuen Standort. Zunächst fand maneinen in Rathausnähe. Er war aber zu teuer. Dann fand man ein Grundstückbeim Gürtel, in der Nähe der Breitenfelder- Kirche. Auch zu teuer. Dann fandman einen Bauplatz in der Nähe des Rudolfspitals; wieder zu teuer. MancheProfessoren waren wegen des ihrer Meinung nach unbegrenzten Areals fürden Prater. Eine Prateruniversität wäre in erster Linie eine Au- Universitätgeworden. Es kam nicht dazu.
Wilhelm Exner meinte in einer Sitzung des Professorenkollegiums imJahre 1895, daß er einsehe, daß nur der Stephansplatz die Mehrheit derProfessoren für sich gewinnen könne. Aber er hatte schon von sich aus miteinem Ministerialrat des Finanzministeriums, nämlich mit August von En-gel ,,, Würgengel" genannt, verhandelt. Für die BOKU wurde dieser ,, Wür-geengel" zum„ Schutzengel“. Er schlug für den Bau das Gelände vor, dasan den seit 1888 bestehenden Türkenschanzpark gegen Norden angrenzte.1890 waren im Zuge der zweiten Stadterweiterung die Vororte derReichshaupt- und Residenzstadt einverleibt worden. Engel versprach die