Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
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1994, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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den Bandes-, hat sicher auch zur Voraussetzung, die Eigentümlichkeitendes eigenen, privaten historischen Gedächtnisses aufzuspüren und ernst zunehmen. In diesem Sinne schlägt Utz Jeggle eine Brücke von der affektbe-zogenen, aus biographischer Situation genährten ,, narziẞtischen Weltsicht"zu jenem entzauberten ,,, entbilderten und begrifflich strukturierten Ge-schichtsbild, das seine Professionalisierung und Verwissenschaftlichung mitseiner oft irreversiblen Entfernung von ,, nahweltlicher Tradition" erkauft.Die unterschiedliche Struktur von Privat- Geschichte mit ihrer ,, biegsamenLogik der inneren Bedeutsamkeit und von kollektiver Erinnerung mit ihreraufs Idealtypische zielenden Frage nach quellenkritischer ,, Richtigkeit undder ,, Faktizität der Ereignisse" will Jeggle so aufgehoben sehen in der,, Kunst des Lokalhistorikers, den schmalen Grat zwischen Einzigartigkeiteiner Lokalität und absoluter Typik zu erwandern". Orts- und ,, Heimat❝ge-schichte als das Missing link von individueller Intim- und gesellschaftlicherStaatsgeschichte, von empathischer Betrachtung und wissenschaftlicherForschung, als ein Vorhaben, dem Banalen nachzugehen, ohne der Bana-lität zu verfallen? Anregungen und Denkanstöße in diese Richtung enthältder erste Band der neuen Marburger Reihe- dessen Beiträge durch Diskussi-onsresümees aus der Feder von Andrea Geldmacher, Petra Groth und PetraNeumann- Winter sowie durch ein von Johanna Rolshoven erstelltes Orts-,Personen- und Sachregister ergänzt werden- zweifellos.

Herbert Nikitsch

Laografia Bd. 36. Athen 1990- 1992( 1993). 491 Seiten, 112 Abb. aufTafeln und im Text.

Das traditionsreiche Organ der Griechischen Volkskundlichen Gesell-schaft, das nun seinem 90. Geburtstag entgegengeht, hat seinen 36. Folge-band vorgelegt, der der griechischen Volkskunst und spezifisch ihrer Erfor-scherin Popi Zora gewidmet ist. Popi Zora ist von 1956 bis 1980 demGriechischen Museum für Volkskunst vorgestanden und hat 1987 die ,, Grie-chische Gesellschaft für Volkskundliche Museologie" ins Leben gerufen, die1992 ihren ersten internationalen Kongreß abgehalten hat. Dieser Widmunggemäß ist der erste Teil des Bandes der griechischen Volkskunst vorbehalten.Den Hauptbeitrag dieser Sektion liefert Frau Popi Zora selbst, einen Grund-satzartikel ,, Symbolistische und semiotische Annäherung an die griechischeVolkskunst( S. 1 77 mit 67 Abb.), wobei thematisch eingegangen wird:auf das Wasser und die Steinglyptik der Quelleneinfassungen und Brunnen,auf den ,, Lebensbaum und den Blumentopf als Webmotiv, auf den Topf mitder Linde, die Vase mit den Pflanzen, den Blumentopf in kretischen Sticke-