Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
490
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVIII/ 97, Wien 1994, 490- 511

Literatur der Volkskunde

Dieter RÖTH, Walter KAHN( Hg.), Märchen und Märchenforschung inEuropa. Ein Handbuch. Im Auftrage der Märchenstiftung Walter Kahn,Braunschweig, hg. von D. R. und W. K. Frankfurt am Main, Haag+ Herchen,1993, 328 Seiten.

Im Frühjahr 1988 wurde bei einer Märchentagung in Blaubeuren die Ideezu einem Handbuch über Märchen und Märchenforschung in Europa gebo-ren, das nun endlich vorliegt. Man kann die Herausgeber nur beglückwün-schen, daß sie trotz erheblicher Schwierigkeiten Geduld bewiesen und sichnicht in ihrem Vorhaben irritieren ließen( drei Beiträger sind mitten in derArbeit durch den Tod abberufen worden, der Erst- Editor schied aus, einigeBeiträge mußten verworfen werden, die Übersetzungen zogen sich hin, fürein Land wie Polen fand sich trotz mehrfacher Anfragen kein Autor usw.).Herausgekommen ist ein Kompendium mit Nachschlagecharakter, das in dasBücherregal eines jeden Erzählforschers wie auch gerade jener Volks-kundeinstitute gehört, die sich wirklich dem Prinzip einer europäischenEthnologie verpflichtet fühlen. Außerordentlich nützlich ist es auch fürLaien und Märchenliebhaber, denen hier in gefälliger Form achtunggebie-tende Forschungsleistungen mehrerer Generationen vorgeführt werden, beidenen vor allem auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und dieVernetzung der Theorien imponiert.

Die mit Bedacht ausgewählten Beiträger gehören zur Elite der europäischenMärchenforschung. Natürlich stehen sie für verschiedene Richtungen oderSchwerpunktsetzungen, dennoch halten sich alle Autoren im Großen undGanzen an die ihnen gestellte Aufgabe: einen Überblick über die Märchen-forschung, Märchensammlung und Märchenpflege ihrer jeweiligen Ländermit Hinweisen auf die entsprechende Literatur zu geben.

Wer mit der Materie einigermaßen vertraut ist, kann sich unschwervorstellen, wie schwierig dies Desiderat im einzelnen war. Die Verfasserwaren gehalten, höchst komplexe Sachverhalte und jahrhundertelange,wechselnde Traditionen, Forschungsrichtungen, Trends und Ziele aufknappstem Raum vorzuführen, ohne in den berühmten bzw. mit Recht soberüchtigten ,, brühwürfelartigen" Lexikon- Stil zu verfallen. Man sollte sineira et studio möglichst viele Facetten, Entwicklungen und Wege aufzeigen.Den Auftakt macht Lutz Röhrich mit einem sehr grundsätzlichen, Defi-nitionen nicht scheuenden Kurzreferat zu Märchen und Märchenforschung