1994, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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durch die Ethnographie nachvollziehen und ihr Bemühen aufzeigen, durchdas Aufsammeln von Sachzeugnissen die nationale Volkskultur vor demVerschwinden zu bewahren, um damit die Basis für eine Weitergabe undPflege des nationalen Erbes zu schaffen. Die nun hundertjährige Bosnien-sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde und ihre neuerli-che Bearbeitung hat angesichts der Vernichtung unwiederbringlichen Kul-turgutes durch den Krieg in Bosnien- Herzegowina mehr Bedeutung denn jegewonnen.
Franz Grieshofer
Schwert und Rose
Zur Ikonographie der Sagengestalten und epischenTraditionen Tirols
Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol,30. Juli bis 15. Oktober 1994
Die Visualisierung von Erzählstoffen, die Aufbereitung mündlicher undschriftlicher Erzählkultur für eine Ausstellung ist ein schwieriges, abergerade deshalb reizvolles Unterfangen. Das Südtiroler LandesmuseumSchloß Tirol und das Institut für europäische Ethnologie/ Volkskunde derUniversität Innsbruck versuchten sich mit der im Sommer 1994 gezeigtenSonderausstellung ,, Schwert und Rose" an dieser Aufgabe. Das InnsbruckerInstitut für Europäische Ethnologie hatte mit dieser Form der Präsentationvon Stoffen und Motiven der Volkserzählung bereits Erfahrung gesammelt.1992 wurde unter der Leitung Prof. Leander Petzoldts von Mitarbeitern undStudierenden des Instituts eine Ausstellung mit dem Titel ,, Von der Wirk-lichkeit des Unwirklichen. Historische und gegenwärtige Aspekte derVolkserzählung in Tirol“ erarbeitet und an der Universität Innsbruck gezeigt.
Der Erfolg dieses Projekts regte zu der nun entstandenen, neu konzipier-ten Ausstellung auf Schloß Tirol an, deren Titel und Untertitel den Rahmendes Vorgeführten umreißen sollten. Es geht in erster Linie um mittelalterli-che Erzählstoffe und historische Sagen. Das Schwert steht für die Helden-epik, die gerade in Tirol so bedeutsame epische Tradition, die Rose nimmtBezug auf den Rosengarten König Laurins, der in Dichtung und Volkserzäh-lung gleichermaßen beheimatet ist. Sie symbolisiert die Wechselwirkungzwischen Literatur und Volkserzählung. Beide wirkten und wirken nochimmer befruchtend auf die bildende Kunst. Die Ausstellung arbeitet nichtzufällig zu einem großen Teil mit Visualisierungen von Erzählstoffen inKunstwerken im Tiroler Raum bzw. in den Werken einheimischer Künstler,von mittelalterlichen Fresken auf Südtiroler Burgen bis zu modernen künst-