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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVIII/ 97
Lauschmann zusammengestelltes Register zu Chronik- und Bildteil muster-gültig erschlossen und zum anderen mit seinem reichen Bildmaterial imeigentlichen Sinne des Wortes ,, illustriert“, d.h. nicht nur geschmückt,sondern auch erläutert ist.
Herbert Nikitsch
Werner BÄTZING und Mitarbeiter, Der sozio- ökonomische Struktur-wandel des Alpenraumes im 20. Jahrhundert. Eine Analyse von ,, Entwick-lungstypen" auf Gemeinde- Ebene im Kontext der europäischen Tertiarisie-rung(= Geographica Bernensia P 26). Bern, Geographisches Institut derUniversität Bern, 1993, 156 Seiten, 3 Karten.
Wenn im Kontext von Strukturwandel oder Ökologie vom Alpenraum dieRede ist, dann geschieht dies meist entweder recht pauschal und ohne dieProbleme der unterschiedlichen Alpengebiete weiter zu differenzieren odermit Blick auf die Überkomplexität des Gebietes geradezu resignierend.Diesem Manko versucht eine von einer Arbeitsgruppe um den interdiszipli-när veranlagten- und längst zu so etwas wie zu einem Doyen der neuerenAlpenforschung gewordenen Berner Kulturgeographen Werner Bätzingerarbeitete Studie zu begegnen. Angesichts eines auch den Alpenraumerfassenden Tertiarisierungsprozesses ging es darum, auf Gemeinde- Ebenehistorisch- empirische Entwicklungstypen zu entwerfen, um so zu zuverläs-sigeren Aussagen über den sozio- ökonomischen Strukturwandel in denletzten 120 Jahren zu gelangen. Den Hintergrund der Studie bilden wieder-um Forschungsdefizite, wie sie die Neuorientierungsversuche einer Berg-gebietspolitik in Richtung einer ökologisch verträglichen, nachhaltigenEntwicklung oder die Arbeit an der sogenannten ,, Alpenkonvention" zuTage treten ließen und lassen.
Die Erarbeitung des Konzeptes der Entwicklungstypen erforderte zu-nächst einmal naturgemäß eine exakte Begrenzung des Alpenraumes, umden Unschärfen der in den sieben Alpenländern unterschiedlichen Bergge-bietsdefinitionen entgehen zu können. Bätzings Prämisse, die Alpen undihre Probleme bei größtmöglicher Differenz nach Möglichkeit soweit zuabstrahieren, um zu übertragbaren Modellen gelangen zu können, verlangtden Ausschluẞ alpennaher Städte und Regionen, die nach Bevölkerungsent-wicklung und Struktur deutlich andere Wege gegangen sind als die inneral-pinen Gebiete. Tendenzen lassen sich freilich auch übergreifend ablesen: Ineiner ersten langen Phase( Bätzing setzt sie mit 1848 bis 1955 an) wurdendie Alpen zum strukturschwachen Raum abgewertet ,,, der nur an wenigenOrten durch den Belle- Epoque- Tourismus, durch auf Wasserkraft gestützte