1994, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Das Material der Fallbeispiele, bei denen die verschiedenen sozialenVerhältnisse berücksichtigt werden, bildet zusammen mit den Ergebnissender schon erwähnten Fragebogenaktion den Grundstock für das folgendeKapitel des Wohnens. Es beinhaltet nicht nur die Ausstattung der einzelnenWohnräume, wie sie die alte Literatur der Hausforschung überliefert hat,sondern stellt vor allem den Wandel innerhalb der Ausstattung dar, wie ihndas 20. Jahrhundert mitgebracht hat. Hierzu gehören auch Änderungen imhausfraulichen Arbeitsablauf, die etwa auf Grund der Elektrizität oder derneuzeitlichen Wasserleitungen ermöglicht worden sind.
Auch die beiden nächsten Kapitel ,, Bauen auf dem Land", bei deminsbesondere der Abschnitt über die ,, Gesetzgebung" interessiert, und die„ Bauentwicklung und-gesinnung auf dem Land" gehen von den tradiertenbaulichen Gegebenheiten aus, um sich dann ausführlich mit architektoni-schen Gegenwartsproblemen bis hin zu den Antipoden von Folklorismusund Denkmalpflege zu befassen. Insgesamt ein weites Spektrum der länd-lichen baulichen Alltagssituation, die auch auf andere Regionen als dasBurgenland zutrifft.
Den Band runden beigelegte Übersichtskarten, Aufmaße und Pläne sowieein vorzüglicher Fotoanhang ab, bei dem vor allem die Gegenüberstellungendes ,, ante" von 1935 und des ,, post" der achtziger Jahre aufschlußreich sind.Hier gewinnt man noch einmal einen Überblick über den Wandel im Ganzen,der ja auch der Grundtenor des Buches ist und der eines der Anliegen desleider nicht mehr bestehenden ,, Institutes für Gegenwartsvolkskunde" war.Für die österreichische Hausforschung ist Vera Mayers Publikation einGewinn, weist sie doch anhand des heutigen baulichen Geschehens auf demLande in eine neue Richtung der Alltagskultur.
Klaus Freckmann
Hans HEISS, Hermann GUMMERER( Hg.), Brixen 1867- 1882. DieAufzeichnungen des Färbermeisters Franz Schwaighofer(= TRANSFERKulturgeschichte, Band 1, hg. von Hans Heiss und Reinhard Johler). Bo-zen Wien, Folio Verlag 1994, 464 Seiten, zahlr. Abb.
Brixen
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älteste Siedlung Tirols; jahrhundertelang Mittelpunkt desgleichnamigen, 1803 säkularisierten Fürstbistums; 1805 an Bayern, 1815wieder an Österreich, 1919 mit Südtirol an Italien gefallener Bischofssitz;heute Ferien- und Kurort mit nachhaltigem Traditionskapital: ,, Hoch ragendie Brixner Türme seit Jahrhunderten(...), aber viel älter und stärker sindVolksbrauch und Sitte" weiß das Brixner Heimatbuch( Innsbruck 1937) überdiese Stadt, in der die andere Seite der Medaille der hier geborene
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