Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
333
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1994, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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Trotz dieses Urteils verfällt die Autorin nicht in die sattsam bekanntekulturpessimistische Agonie, aus der heraus von der platten Stereotypieeines trivialen Mediums auf den Geisteszustand der Rezipienten geschlos-sen wird. Überhaupt hat sie es weitestgehend vermieden, Aussagen über dieLeserschaft zu machen. Ein kurzer Versuch zum Schluß, der Faszinationnachzuspüren, die der Trivialliteratur innewohnt, ist ihr einziger Beitrag, derin diese Richtung deutet. Dementsprechend sind auch keinerlei empirischeUntersuchungen vorgenommen worden. Methodisch ist das Buch ganz aufeine qualitative Inhaltsanalyse aufgebaut. Textpassagen aus einer Reihe vonHeftromanen werden präsentiert, kommentiert und analysiert, mit anderenbelletristischen Quellen und wissenschaftlichen Meinungen konfrontiertund bisweilen auf pointierte Art und Weise abqualifiziert. Mit einer exaktenquantifizierenden kommunikationswissenschaftlichen Inhaltsanalyse hatdas sehr wenig zu tun, und Vertreter der entsprechenden Profession würdenwomöglich eine weit weniger freundliche Rezension verfassen als dies hiergeschieht. Doch scheint mir die gewählte Vorgangsweise- wiewohl schwe-rer überprüfbar- durchaus plausibel zu sein.

Stilistisch ist das Buch unkonventionell und essayistisch, eigentlich garnicht nüchtern, dafür aber umso lesbarer. Die Wissenschaftlichkeit jeden-falls bleibt trotz kurzweiliger Seitensprünge und eigenwilliger Formulierun-gen aufgrund der analytischen Logik gewahrt.

Interessanterweise hat mich das Buch, obwohl die Kritik am Heimatro-man niederschmetternd ist, auf denselben neugierig gemacht- neugierig aufdie vielen von ihm transportierten Klischees, die ob ihrer Hundertschaftergreifend sind.

Christian Stadelmann

Vera MAYER, Burgenland. Bau- und Wohnkultur im Wandel(= Mittei-lungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde, 21; Österreichische Akade-mie der Wissenschaften, Philosophisch- Historische Klasse, Sitzungsberich-te 602). Wien 1993, 223 Seiten, Anhang mit Abb. und Graph., Karte.

Die Autorin wandelt auf Arthur Haberlandts Spuren, dessen 1935 erschie-nener Band ,, Volkskunde des Burgenlandes, Hauskultur und Volkskunst"die Ausgangsbasis für eine fortführende, auch die Gegenwart einbeziehendeHausforschung ist. So verdienstvoll Haberlandts Kunsttopographie ist, sobietet sie wie fast alle Denkmälerinventare der dreißiger, sogar noch derfünfziger bis sechziger Jahre eine nur lückenhafte Bestandsaufnahme vonHaus und Hausrat. Aber trotz ihren Defiziten boten die frühen hauskundli-chen Erhebungen des langjährigen Direktors des Wiener Museums für