Jahrgang 
97 (1994) / N.S. 48
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVIII/ 97

Nationalpark Hohe Tauern und die dort gesetzten Initiativen zur wirtschaft-lichen und kulturellen Entwicklung. Ein Nachwort des Landesrats ArnoGasteiger wiederholt die Entwicklung des Salzburger Fremdenverkehrsge-setzes und die Perspektiven für die weitere Entwicklung des Tourismus.

Das Bemühen um eine Erzählung der Geschichte in ihren Tatsachen undihren entwaffnend ehrlichen Details, fern von Schönfärbereien undSchwarzmalereien, ohne dabei die Situation der berührten Bevölkerung zuübergehen oder zu idealisieren, macht den vorliegenden Band so sympa-thisch. Ob dieser und der einleitend erwähnten Qualitäten kann man überdas zuweilen etwas dick aufgetragene Eigenlob der gegenwärtigen Touris-musentwicklung leicht und gerne hinwegsehen.

Ulrike Vitovec

Maria PRESENT, Wohlfeiles heimatliches Waldesrauschen. Inhaltsana-lyse und Textkritik der Heimat- Heftromane(= Veröffentlichungen des Insti-tuts für Volkskunde der Universität Wien, Band 15). Wien 1993, 156 Seiten.

Die Herausgeber der Buchreihe des Instituts für Volkskunde der Univer-sität Wien haben sich entgegen den bisherigen Gepflogenheiten nunmehrdazu entschlossen, dieselbe durch Studienabschlußarbeiten, die als lesens-wert erachtet werden, zu bereichern. Den Anfang dabei macht die Diplomar-beit von Maria Present, die sich mit jener Literatur beschäftigt hat, derenHandlung sich irgendwo in den Alpen- der Heimat nämlich abspielt undnach 64 Seiten gewöhnlich mit einer Heirat ihr glückliches Ende findet.

So einfach, wie sich diese Gattung beschreiben läßt, so einfach, weilstereotyp, sind die Wesensmerkmale, die sie charakterisieren. Maria Presenthat Motive und Komponenten, aus denen der Heimatroman zusammenge-setzt ist, und Wertvorstellungen, die er transportiert, aufgegliedert undanalysiert. In den einzelnen Kapiteln untersucht sie Männer- und Frauenrol-len, die Bedeutung von Arbeit, dörflichem Umfeld, Glaube und Aberglaube,die Darstellung der Sexualität und den Mythos vom Bauer- Sein. Und ihrUrteil über die vom Heimatroman vermittelten Ideale und Normen ist einsehr strenges: In den überaus erfolgreichen und auflagenstarken Romanrei-hen werden durchwegs fragwürdige Rollenzuschreibungen an die Ge-schlechter tradiert, ohne diese auch nur in Ansätzen zu hinterfragen; dieHandlung ist eingebettet in einen lieblichen Rahmen, der in einer realitäts-fernen Scheinwelt angesiedelt ist, wie sie früher nirgendwo und heute nichtmehr anzutreffen ist; und der Bauer wird einer romantischen und auchfaschistischen Tradition folgend idyllisierend dargestellt, seine wirklichegesellschaftliche und soziale Stellung schlichtweg geleugnet.