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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVIII/ 97
giosität( bes. Agrarberufe). Kapitel 5 dehnt die Untersuchungen auf denWeiteren Brauchzyklus“ aus( S. 169 – 230) und umfaßt demnach Angabenzu Lebenslaufriten( Geburt und Taufe, Hochzeit, Tod und Begräbnis, Ge-denkmessen[ mnemosyna], Exhumierung) und Jahreslauf( Herbstfest, Win-terzyklus, Weihnachten, Neujahr, Theophanie, Heiligenfeste bis zur Karne-valsperiode, Frühlingszyklus, Karwoche und Ostern, Nachosterwoche, Er-ster März, Hl. Georgstag, Sommerfeste). In diesem Abschnitt ist die Beleg-dichte besonders groß, auch neuere kulturanthropologische Literatur isteingearbeitet.
Kapitel 6 geht noch kurz auf die ,, Legende“ ein( S. 231f.). Sodann folgendie ,, Ergebnisse“( S. 233f.)( siehe oben), ein Abkürzungsverzeichnis( S. 235f.), die Bibliographie mit der Auflistung von mehr als 100 unveröf-fentlichten Handschriften aus verschiedenen volkskundlichen Institutionen( S. 237–241) und einer reichhaltigen Zusammenstellung von Druckschrif-ten und Sekundärliteratur( S. 241- 264). Es folgen tabellarische Auflistun-gen( S. 267319), die die Einzelangaben zu Kirchen und Kapellen invorbildlicher Gründlichkeit systematisieren, sowie acht Übersichtskarten( S. 321-330). Ein englisches summary( S. 331f.) sowie ein Generalindex( S. 333343 ohne Namen) beschließen die gründliche und kenntnisreichgearbeitete Studie. Mit Monographien dieses Typs und von dieser Qualitäterfahren nicht nur die traditionellen Jahres- und Lebenslaufkaleidoskope derBrauchforschung eine wesentliche methodische Bereicherung, sondern um-gekehrt auch die kulturanthropologischen theoretischen Arbeiten auf die-sem Gebiet( mit dem Epizentrum Griechenland) eine tragfähige empirischeGrundlage.
Walter Puchner
Marina MUNDT, Zur Adaption orientalischer Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischer Bilder in den Fornaldar-sögur Nordlanda. Materialien zu einer neuen Dimension altnordischer Bel-letristik. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien, LangVerlag 1993, 282 Seiten.
Das vorliegende Werk ist ein echtes Desiderat für jeden, der sich mit demfür Literaturwissenschaft wie Volkskunde interessanten Motivreichtumhoch- und spätmittelalterlicher Literatur beschäftigt. Dabei sind die altnor-dischen Fornaldar- und Märchensagas eine besonders ergiebige Gattung,und wenn sich die Autorin auch auf eine argumentativ gut gestützte( S. 37-53) Auswahl von 30 Fornaldarsögur beschränkt, so zeigt doch dasvon ihr dargelegte Material die weitreichende Bedeutung der nunmehrerstmals monographisch erfaßten orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Einflüsse. Dies macht den