1994, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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eine Dokumentation des heutigen Zustands bis auf wenige Ausnahmenleider nicht erfolgt.
Auch vermiẞt man ein Architektenregister sowie einen topographischenÜbersichtsplan zur raschen Ortung der beschriebenen Beispiele: Die vor-bildliche Dokumentation der Bauten lädt nämlich geradezu zu einer Vor-Ort- Besichtigung ein.
Interessant wäre auch gewesen, die Akzeptanz dieser teilweise kompro-miẞlos modernen Gebäude bei den Touristen zu ergründen( dies hätte jedochwomöglich den Rahmen dieser Untersuchung gesprengt).
Die überwältigende Mehrheit der Tourismusarchitektur der Bergweltjener Zeit war jedoch vorwiegend durch ein ,, klischeehaftes Immer- Wieder-Abbilden“( S. 9), die unreflektierte Verwendung tradierter Formensprachengekennzeichnet. Auch die beiden Autoren betonen, daß es sich bei denvorgestellten Objekten- wie übrigens bei der Architektur des Neuen Bauensgenerell- ,, lediglich um punktuelle Erscheinungen handelt, qualitätsvolleArchitektur auch damals die Ausnahme war“( S. 17). Dies gilt auch nochfür alpine Hotelbauten der Gegenwart, bei denen zumeist eine recht unifor-me, heimattümelnde ,, Jodelarchitektur" vorherrscht.
Das Fazit: Trotz der erwähnten kleineren Schwächen ist ein sehr anspre-chend gestaltetes, informatives Werk entstanden, das einen bisher kaumwahrgenommenen Aspekt der alpinen Tourismusforschung in den Blick-punkt rückt.
Martin Wörner
Anmerkung
1 Vgl. u.a. Roy Oppenheim: Die Entdeckung der Alpen. Frankfurt amMain/ Wien/ Zürich 1994; Dieter Kramer: Der sanfte Tourismus. Umwelt- undsozialverträglicher Tourismus in den Alpen. Wien 1983; Gabriele Seitz: WoEuropa den Himmel berührt. Die Entdeckung der Alpen. München/ Zürich 1987;Wolfgang Lipp: Alpenregion und Fremdenverkehr. Zur Geschichte und Soziolo-gie kultureller Begegnungen in Europa, besonders am Beispiel des Salzkammer-guts, in: Zeitschrift für Volkskunde 89( 1993), H. 1, S. 49- 62.
Peter COLLETT, Der Europäer als solcher... ist unterschiedlich. Verhal-ten, Körpersprache, Etikette. Hamburg, Ernst Kabel- Verlag, 1994, 249Seiten, 5 S/ W- Photos.
Europa rückt, wir lesen es täglich in der Zeitung, politisch und wirtschaft-lich zusammen- ein bereits Jahrzehnte währender Prozeß, der vom Versuch,einander auch näher kennenzulernen, freilich weitaus zögernder begleitetwird. Und wenn, so meist aus recht pragmatischem Gesichtspunkt: ,, Euro-