1994, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Österreichisches Museum für Volkskunde. Schausammlung zur histori-schen Volkskultur. Begleitbuch. Wissenschaftliches Ausstellungskonzeptund Texte: Klaus BEITL, Franz GRIESHOFER, Margot SCHINDLER,Bernhard TSCHOFEN. Wien 1994, 94 S., 101 Farbabb., zugl. Österreichi-sche Zeitschrift für Volkskunde, XLVIII, 97, 1994, H. 1.
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Die heimische Presse hat die Wiedereröffnung¹ des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde mit erstauntem Wohlgefallen gemeldet; ² für dieansonsten übliche volkskundliche Nicht- Präsenz ist dies an sich schonbemerkenswert. Volkskundler³ sollten allerdings, so empfiehlt es sich, trotz-dem eine gewisse Bodenhaftung behalten. Der Rezensent- das sei vorweg-genommen teilt das ausgesprochen positive Echo in bezug auf Dauer-ausstellung und Begleitbuch. Letzteres aber kann immer nur so gut sein, wiedas Museum es auch selbst ist. Hier kann( leider) der bisher zwar imBesucherbuch stattfindende, fachintern aber bedauerlicherweise fehlendeöffentliche Diskurs um die neueröffnete Dauerausstellung nicht geführtwerden, der ,, Vogel Selbsterkenntnis"- das Logo der neuen Schausamm-lung- bezieht sich daher lediglich auf den Text. Die graphische Gestaltungdes Begleitbuches, auch das sei eingangs erwähnt, ist m. E. ausgesprochengelungen. Sie ist übersichtlich, die Photographien sind von guter Qualitätund treffender Auswahl und deuten an, worauf die Konzeption zielt. Dochdazu später. Ein paar überflüssige Trennungszeichen sind wohl dem Zeit-druck zuzuschreiben; aber immerhin ist der Band termingerecht erschienen.Auch das ist schon längst nicht mehr immer üblich.
Im Geleit von Klaus Beitl wird von der wechselvollen Geschichte desHauses berichtet, die in den letzten Jahre von aufwendigen Umbau- undSanierungsarbeiten geprägt war. Der Termin des am Dreikönigstag ver-faẞten Textes ist fast das einzige Relikt volkskundlichen Zuschnitts ältererPublikationsformen. Man muß- sowohl was Text und Gestaltung betrifft-vom lange dominierenden Geschmack und von impliziten inhaltlich- mora-lischen Konventionen Abschied nehmen. Denn der Inhalt verweist auf einurbanes, der österreichischen Volkskunde meist nur schwer zugänglichesPublikum. Mit anderen( bzw. mit den Verfasser-) Worten: Das Oeuvre zieltauf den intellektuellen Diskurs der Gegenwart. Heimische Volkskundler unddelektierende Laien haben dabei Ungewohntes zu verdauen- nocheinmal:Diskurs, Engramme, polymorphe Kontextualisierung, populäre Ästhetik u.ä. Die Sprache versucht inhaltlich und geographisch zu plazieren. Einge-standenermaßen geht es dabei um eine großstädtische Situation und notwen-digerweise sind daher die ,, Augen der Gegenwart" auf eine urbane Intelli-genz, auf deren diffundierten ästhetischen Blickwinkel gerichtet. Insoweitkann und will das Museum nicht die Dienste eines Heimatmuseums offerie-ren. Aber trotzdem: Nur und ausschließlich in dieser Sichtweise ist dasÖsterreichische Museum für Volkskunde, wie besonders hervorgehoben